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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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Weiße Blätter

Von der Krise nichts bemerkt // „Es wird Blut fließen, viel Blut”

19. Mai 2009 von Klaus Schomann · Keine Kommentare · Die Generalisten, Nachgedacht, Politik ·Edit

Als Gastautor konnten wir diesmal den Zeitgenossen Klaus Schomann gewinnen. Mit dem ihm eigenen Zweiten Blick stößt er eine interessante Diskussion an. Stephan
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„Von der Krise nichts gemerkt”, so titelte der Stadtkurier in einer seiner Ausgaben anlässlich eines Berichts über den Tag des offenen Unternehmens. Für die dort beschriebenen heimischen Unternehmen erfreut dies zweifelsohne. So möchte es wohl jeder haben. Nur die Zeiten, die sind nicht so, oder doch?

Zuweilen kommt einem ja der Gedanke, dass die Wirtschaftskrise nur im Fernsehen stattfindet. Die Läden sind voll wie bisher, die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist noch nicht bedrohlich, die rasante Neuverschuldung des Staates hat ebenfalls noch keine Auswirkungen auf den Einzelnen und wird im Übrigen durch die gleichzeitige Forderung von Steuersenkungen zu einer Diskussion aus Absurdistan. Alles halb so schlimm? Vielleicht nur ein großes Rad zum Wohlgefallen aller Systemrelevanten. Für den Kleinen fällt dann auch gleich noch was ab, wenn er sein altes Auto mit Hilfe des Staates gegen ein neues eintauschen darf.

Es gibt allerdings auch kluge Menschen die dies ganz anders sehen. Der englische Sozialhistoriker und Philosoph Eric Hobsbawm ist so einer. 92 Jahre ist der Mann. Wie er selbst sagt war der König von England in Zeiten seiner Kindheit noch Kaiser von Indien und auch sonst gab es allerhand monarchistisches auf Gottes Erden. „Und fast alle sind flöten gegangen.”

Wird es dem Kapitalismus auch so ergehen? Ja, früher oder später, sagt Hobsbawm. Wahrscheinlich keine allzu gewagte These, aber man sollte wissen, dass Eric Hobsbawm Marxist ist. Kein Grund, sich schaudernd abzuwenden, auch wenn allerhand historische und so manche temporäre Erscheinungen zur Aktivierung eines darauf gerichteten Reflexes geeignet sind.

Die Aussage, dass es keine Basis für eine stabile Gesellschaftsordnung sei, wenn 40% der Weltbevölkerung von einem Dollar am Tag leben müssen, sollte jedenfalls jegliche ideologischen Scheuklappen verschwinden lassen. Selbst eingefleischte Neoliberale, die zurzeit allerdings meistens an Gedächtnisschwund leiden, könnten Veranlassung haben, nachdenklich zu werden. Aber da wird wohl eher darauf gewartet, dass der Krug vorbeigehe, um dann so weitermachen zu können wie ehedem.

Verblendete und Ignoranten mit kindlichkindischem Glauben an die Selbstregelungskräfte des Marktes, die die Augen vor der Wirklichkeit verschließen und deshalb so gefährlich für die Menschen sind, nennt Hobsbawm solche Leute. Aus der Geschichte hätten sie nichts gelernt und aktuell eine Krise verursacht, die mit 9/15, der Tag an dem die Lehmann-Bank zusammenbrach, den Lauf der Geschichte mehr verändern wird als 9/11.

Wer mehr davon lesen will, möge es hier tun. Ein bemerkenswertes Interview von Eric Hobsbawm auf Stern-online. Die Überschrift lautet übrigens: „Es wird Blut fließen, viel Blut”.

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Disclosure: Wir sind schwer begeistert! Heute können wir euch unseren ersten Gastbeitrag präsentieren. Unser Gastautor Renne hat ein phantastisches Thema ausgegraben. Zukünftig findet ihr die Beiträge unserer Gastautoren auf der Unterseite “Weisse Blätter”. Viel Spaß nun beim Lesen der Geschichte von Atletico Kirchmöser. Stephan

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Die Geschichte von Atletico Kirchmöser

11. März 2009 von Renne· Brandenburg, Damals, Fußball ·Edit

Zu DDR-Zeiten war Kirchmöser so etwas wie Moskau-light. Da wohnten hier mit 5.000 sowjetischen Soldaten ebenso viele Sowjets wie Deutsche. Außer Sonntagspredigten der SED-Funktionäre zur deutsch-sowjetischen Freundschaft, zufälligen Angel-Begegnungen an der „Wusterwitzer Fahrt”, Pflicht-Samowar-Abende im „DSF-Haus” in der Bergstraße und gemeinsamen Laufwettkämpfen wie den Willy-Becker-Gedenklauf, der von der NVA gesponsert, rund um den Heiligen See führte, gab es aber quasi kaum Kontakte zwischen deutscher und russischer Bevölkerung. Schon gar nicht private.

Eines Tages, als auf dem Abenteuerspielplatz an der Wusterwitzer Straße mal wieder nicht genügend Leute für ein Fußballspiel zusammenkam, entschloss sich eine Gruppe sportbegeisterter Jugendlicher, Spieler anzuwerben – in der Wohn- und Einkaufssiedlung der russischen Kaserne zwischen Kirchmöser und Wusterwitz. Dort befand sich unweit des Cafés ein gut besuchter Bolzplatz. Verabredungen waren mit „Händen und Füßen” bald getroffen – immer Sonntag Nachmittag sollten Russen gegen Deutsche auf dem Abenteuerspielplatz gegeneinander antreten. Trainingsbuch Atletico KirchmöserUm wahre Freundschaft ging es wohl nicht, eher um das Ausleben sportlichen Ehrgeizes und um die Aufbesserung der Russisch-Kenntnisse. Das Event entwickelte sich bald zum Klassiker – die Zuschauerschar wuchs beständig. Am 16. April 1988 wurde der Zuschauerrekord von 56 registriert, wobei manchmal auch jene gezählt wurden, die vom benachbarten Wohnblock am Starweg genüsslich aus dem Fenster starrten, während vornehmlich weibliches Publikum vom raketenartigen Klettergerüst die Fußballer zu Höchstleistungen anfeuerte. Die Kirchmöseraner nannten ihr am 6. September 1987 gegründetes Team „Atletico Kirchmöser”, wohl angelehnt an die Erfolge eines gleichnamigen spanischen Clubs, die Russen stürmten unter dem Namen Spartak – mitunter ungewöhnlich mit Gummistiefeln. Dafür war das Team um Kapitän Alescha „Telebaschnija” körperlich den Deutschen überlegen.

Zwischen dem ersten Spiel am 6. September 1987 und dem letzten – die 26. Auflage – am 30. April 1989 – kamen insgesamt 24 Kirchmöseraner Spieler zum Einsatz. 25 Spiele absolvierte Mannschaftsleiter René Peters, gefolgt von seinem Bruder Carsten (24), Vize-Teamleiter Stephan Falk (23), Trainer Torsten Rabe (21), Thomas Benkendorf (17), Tino Holtz (16) und Jan Michel (10). Die meisten deutschen Tore schoß mit 37 René vor Tino (30), Carsten (17/bester Elf-Meterschütze mit 9 Treffern), Co-Trainer Martin Lorek (8) sowie Olaf Arnold und Stephan Falk (je 7). Im torreichsten Spiel fielen ganze 31 Tore – mit einem Tor Unterschied siegten die Kirchmöseraner. Insgesamt wurden von beiden Mannschaften 322 Tore in die Maschen des Kleinfeld-Platzes gesetzt. Zudem gabs eine Form-Wertung, wo pro Spiel bis zu 19 Punkte zu erreichen waren u. a. für Tore, Vorlagen, Kampfgeist, gute Dribblings, faire Spielweise, Ballannahme, mannschaftsdienliches Spiel, Kondition und gute Spielfeld-Übersicht. Für unsportliches Verhalten und unzuverlässiges Erscheinen wurden aber auch Spieler gesperrt – sechs sogar für eine ganze Saison. Am Ende hatten die Deutschen mit 39:13 Punkten und 186:136 Toren die Nase vorn. Das letzte Spiel endete bei sonnigen 23 Grad mit 7:4 (3:0). In dem Spiel, in denen die Abwehr dominierte, stand es noch zwei Minuten vor Schluss 4:4. Dank guter deutscher Konter und katastrophaler Chancenverwertung bei Spartak, die mit „Mann und Maus” stürmten, gewannen die Deutschen das letzte Freundschaftsspiel, was wohl je zwischen Russen und Deutschen in Kirchmöser stattgefunden hat.

Wer noch Fotos aus jenen glorreichen Fußballtagen hat, mailt sie bitte an brandenburger6@gmx.de.

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