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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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Durch den Sturm // Der Gränert

12. Februar 2010 von Stephan · Keine Kommentare · Aus dem Leben, Brandenburg, Die Generalisten, Heimatkunde, Kirchmöser, Schöne Orte

Wichtiger Hinweis: Teilweise führte uns folgender Bericht durch ein Naturschutzgebiet. Dort gelten gelten strenge Schutzvorschriften. Wir respektieren diese – Nachahmer bitten wir, dies ebenso zu tun. Insbesondere ist es verboten, sich abseits der Wege zu bewegen. Gerade für die Tierwelt sind Naturschutzgebiete sehr wichtige Rückzugsgebiete, die den Artenerhalt und die Artenvielfalt in unserer Stadt sichern. Diese Gebiete dienen dazu, dass auch seltene und häufig auch störungsempfindliche Arten einen für sie akzeptablen Lebensraum finden, in dem sie sich fortpflanzen können und so unserer heimischen Natur erhalten bleiben. Deshalb nochmals der Hinweis, bitte respektiert diese Schutzgebiete. Danke. Linktipp (*.pdf)

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Die Wettervorhersage war eindeutig. Es sollte das Wetterereignis des Jahres werden. Alle Wettermodelle standen auf rot. Sturmtief Daisy war im Anflug. Im Gepäck: Sturm und massig Schnee. Selbstverständlich wurde der Tag, an dem Daisy die Stadt treffen sollte, freigeschaufelt. Der Abmarsch wurde für 11.00 Uhr festgesetzt. Wir hatten uns ein riskantes und abenteuerliches Unterfangen vorgenommen. Quer durch den Wald – durch unseren Wald, dem Gränert. Über zugefrorene Kanäle und überflutete Wiese querfeldein zum Faulen See und von dort aus, mal schauen… Das Wetter sollte für uns dabei eine bezaubernde Kulisse bieten.

Die Wildnis empfing uns an der Buckau-Brücke kurz hinter der Malge. Der Rucksack wurde geschultert, die Schibrille aufgesetzt, der Kragen hochgeklappt und die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Es konnte losgehen. In den Baumwipfeln verfingen sich die ersten Boten des Sturmtiefs. Schon von weitem hörte man, wie der Sturm Atem holte, um dann brachial über uns hinwegzuziehen. Zugefrorener Sumpf im GränertforstKurz hinter der Brücke verließen wir den Pfad und bogen südlich in den Wald. Als erstes besorgten wir uns entsprechende Äste, die uns fortan als Gehhilfe und Erkundungsgerät dienten. Bereits nach kurzer Zeit offenbarte sich uns die erste Herausforderung. Der Weg, den uns der Kompass zeigte, war versperrt. Besser gesagt er war zugewuchert. Ein kurzer Blick in die Augen genügte. Wann, wenn nicht heute… also schlängelten wir uns furchtlos durch das Gebüsch. Kurz danach stießen wir auf eine überfrorene Wiese. Nun ist diese Gegend bekannt für ihren morastigen Untergrund. Für uns bedeutete das, dass es schwer einzuschätzen sein würde, ob die Eisschicht trägt oder eben nicht. Im ungünstigsten Fall waren zwar maximal zwei nasse Füße zu erwarten, aber in Anbetracht der Witterungsverhältnisse konnte auch das unangenehm werden. Mit unseren Stöcken stakten wir uns vorwärts. Immer wieder brachen diese durch die dünne Eisschicht und versanken tief im Morast. Ein Moment der Unaufmerksamkeit und schon war es passiert! Ein Begleiter rutschte in ein Loch und versank bis zur Wade im Wasser. Super-Gau! Nach 1 Stunde drohte der Abbruch unserer Mission. Nun war der Betroffene ein ganz schlauer Mann. Er hatte keine Gore-Tex-Schuhe oder sonstige Globetrotter-Utensilien an den Beinen, sondern ganz profane Lederschuhe, diese hatte er – ganz pfiffig – von innen mit Einkaufstüten abgeschottet. Die erste Prüfung war somit bestanden, wir konnten weitermarschieren.

Nach der Überquerung eines tiefgefrorenen Kanals setzte bei uns langsam so etwas wie Routine ein. Ab und zu kreuzten Bäche unseren Weg, wir kämpften uns durch Schneeverwehungen und wurden dabei von verlassenen Hochständen flankiert. Im Wald war der tobende Sturm nicht mehr als ein frischer Wind, der uns den Schnee in die Augen blies. Der nun verstärkt einsetzende Schneefall ließ die Neuschneedecke von Minute zu Minute anwachsen. Mittlerweile waren keine Spuren von Tieren oder Jägern mehr zu erkennen. Gebückt aus einer Schonung krabbelnd, standen wir plötzlich vor einer Weggabelung. An dieser kreuzte auch ein Kanal unseren Weg. Nach Lage der Dinge musste dieser direkt auf den Faulen See zulaufen. Autobahn zum See // Stichkanal zum HechtgrabenKurzerhand trauten wir uns auf das Eis, und vor uns lag die Autobahn zum See. Rechts und links krümmten sich die Bäume über den Kanal, so dass ein traumhafter Tunneleffekt entstand. Entschlossen stapften wir weiter, das Gesicht mit festem Willen in Richtung Wetterkante gedreht. Was dann kam, war unser persönlicher Erweckungsmoment! Der Kanal mündete nicht, entgegen unserer Planung, direkt in den Faulen See, sondern unvermittelt gabelte er sich auf. Rechts oder links? Zur Linken, in Richtung Süden blickend, war am Horizont hinter dem Wald eine Lichtung zu erkennen. Das musste ER sein!  Der Faule See lag umwogen von einer Schnee-Gischt südlich von uns. Wir standen also direkt auf dem Hechtgraben, dem einzigen Abfluss des Sees. Was für ein Fest! Nie im Leben hätten wir gedacht, dass wir eines Tages dort stehen werden. Noch bei unseren sommerlichen Wanderungen lag dieser Teil des Gränertforstes für uns unerreichbar im Wasser und Sumpf. Esox Lucius war besiegt!

Aufgeregt liefen wir in Richtung See. Was würde uns erwarten? Würde er passierbar sein? Dort angekommen wurde erstmal die obligatorische Probebohrung vorgenommen. Als wir endlich auf Wasser stießen, war sofort klar, das Eis würde tragen. Mitten auf dem See drehte Daisy dann ordentlich auf. Der Sturm peitschte die Schneeflocken horizontal über das Eis. Welch ein perfektes, betörendes Schauspiel! Sämtliche Reißverschlüsse unserer Unwetterausrüstung mussten nun verschlossen werden. Wir hatten endlich gefunden, was wir gesucht hatten. Hinterer Teil vom Faulen See // GränertAug in Aug mit dem Sturm kämpften wir uns über den See. Als wir den überfluteten Teil des Erlenbruchwaldes erreichten, bot sich uns eine unvergessliche Optik. Um uns herum standen die abgestorbenen Stümpfe der Bäume. Wir waren umzingelt von Totempfählen, die quasi den See beschützten. Nun gut, vielmehr waren sie Opfer eines Bibers. Dieser pfiffige Bursche hatte am Abfluss zum Hechtgraben eine veritable Biberburg gebaut. Diese hat den Wasserspiegel des Sees um etliche Zentimeter ansteigen lassen mit der Folge, dass südlich des Faulen Sees besagter Erlenbruchwald komplett überflutet wurde. Das Todesurteil des Waldes war besiegelt.

Am Ende des Überflutungsgebietes fanden wir einen Zufluss zum See. Kurzer Hand nutzten wir diese neuerliche Gelegenheit, um unseren Weg in Richtung Süden fortzusetzen. Der Diebesgrund und die Silberquelle sollte nun das nächste Zwischenziel für uns sein. Konsequent folgten wir dem Lauf der Kanäle. Von unserer Systematik her konnten diese uns zwangsläufig nur in Richtung Diebesgrund führen. Leider versandeten etliche Läufe im Wald. Oftmals mussten wir Umwege nehmen, da das Eis nicht trug. Beiläufig überquerten wir den Dachsberg. Mit strammen 43 Metern über null ist der Berg die höchste Erhebung im Gränertforst nach dem Weinberg (61 Meter) bei Mahlenzien. Hinter dem Dachsberg fanden wir eine, uns bis dato unbekannte, traumhafte Lichtung, auf der wir ein unbekümmertes Rehlein beobachten konnten. Hinter der Lichtung setzte ein bewaldeter Wall an. Demzufolge konnte nur östlich von uns die Silberquelle mit dem dann folgenden Diebesgrund liegen. Der Wall konnte nur ein Ausläufer der Endmoräne sein, die mit ihrer eiszeitlichen Rinne aus Mergel und den vermoorten Senken die Basis für das Feuchtgebiet im Gränertforst bildet.

Langsam setzte sich die Dämmerung über den Wald. Der nahende Abend verdeutlichte uns, dass wir unsere Route straffen mussten, wollten wir wenigstens im Halbdunkeln die Buckau-Brücke wieder erreichen. Außerdem schmerzten meine Beine. Die Softboots an meinen Beinen, die sonst nach einem Snowboard verlangen, waren ein beachtlicher Ballast. Außerdem sah die steife Körperhaltung aufgrund der Geometrie der Botten im Wald ziemlich albern aus. Ich war ständig bereit, die Abfahrt ins Tal vorzunehmen, nur fehlte es an einem Tal und einem Snowboard. Ich wollte nur wandern.

Schnell war dann der Diebesgrund erreicht und wir machten uns auf, die Wiese des Habakuk zu erkunden. Eingeschlossen von ehrwürdigen Buchen betraten wir die mystische Wiese. Zugeweht von Schnee stellte sie eine letzte Herausforderung für uns dar. Teilweise hüfthoch türmte sich der Schnee auf. Es war mehr ein Robben als Laufen im Schnee. Eine beeindruckende Stimmung erfasste unsere Herzen. Das Zwielicht bezauberte unsere Sinne. Es war still.  In der Ferne rauschte der Schneesturm. Wir waren mitten im Sturm und hatten ihn bezwungen.

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Wichtiger Hinweis: Teilweise führte uns folgender Bericht durch ein Naturschutzgebiet. Dort gelten gelten strenge Schutzvorschriften. Wir respektieren diese – Nachahmer bitten wir, dies ebenso zu tun. Insbesondere ist es verboten, sich abseits der Wege zu bewegen. Gerade für die Tierwelt sind Naturschutzgebiete sehr wichtige Rückzugsgebiete, die den Artenerhalt und die Artenvielfalt in unserer Stadt sichern. Diese Gebiete dienen dazu, dass auch seltene und häufig auch störungsempfindliche Arten einen für sie akzeptablen Lebensraum finden, in dem sie sich fortpflanzen können und so unserer heimischen Natur erhalten bleiben. Deshalb nochmals der Hinweis, bitte respektiert diese Schutzgebiete. Danke. Linktipp (*.pdf)

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