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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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Tatooine im Winter // Die Wusterau

04. Februar 2010 von Stephan · 1 Kommentar · Aus dem Leben, Brandenburg, Die Generalisten, Heimatkunde, Schöne Orte

Fiktion:
Es war saukalt draußen! Das Thermometer zeigte unter -10° Celsius. Kurz nach Neujahr 2010 lag Brandenburg an der Havel unter einer dicken, tiefgefrorenen Schneedecke. Durch die Einflüsse der Zivilisation war es trotzdem schwer, innerhalb der Stadt unberührte Schneeflächen zu entdecken. Ein frostiger Blick nach Westen über die Seenplatte des Breitlingbeckens genügte, um unberührte Landstriche ausfindig zu machen. Eingeklemmt zwischen Plauer, Möserschen und Breitlingsee liegt ein nahezu unberührtes Stück Natur. Nach neuster Definition eine klassische No-Go-Area. Die Wusterau.

Eiskalt peitschte der Wind aus Osten in die Gesichter. Entlang der Mützen bildeten sich durch die Atemluft rasch kleine Eiszapfen. Nur noch einen Schritt über brüchiges Eis und das Niemandsland war erreicht. Vor den vor Kälte tränenden Augen eröffnete sich die unberührte Breite der Wusterau. Am Horizont ging die unendliche Weite der weißen Steppe schimmernd in die schwarze Nacht über. Der kräftige Wind trieb den Schnee wie Nebel über die Insel. Nach den ersten 100 Metern reichte der Schnee fast bis zu den Knien. Ein Fortkommen wurde immer schwieriger. Nach weiteren endlosen Metern öffnete sich die Landschaft nach rechts und links abfallend zum Ufer. Ungeschützt jaulte der Wind über den ausgemergelten Boden. Die Schneehöhe nahm rapide ab, teilweise war der steinhart gefrorene Sand zu spüren. Neben dem Weg erhoben sich mächtige Schneeverwehungen, abschnittsweise reichten diese bis zu den Schultern. Nunmehr konnte man flott des Weges schreiten. Nur das Knirschen des Schnees und das tiefe angestrengte Atmen durchschnitten die Stille. Am Rande des Ufers zum Breitlingsee schlängelte sich ein kleiner Pfad in Richtung Norden. Zur Linken öffnete sich die schweigend dämmernde Steppe. Kleine aus dem Schnee herausragende Büsche sahen im Sturm aus, wie Statuen von wartenden Götzen. So muss Tatooine im Winter aussehen! Unheimlich einsam und verlassen wirkte die Leere der Landschaft auf die vorbeiziehenden Wanderer. Linear lag das Panorama eines fremden Ortes vor ihnen. Unwirtlich drohte hinter dem Horizont die glanzlos glühende Stadt mit ihrem Stahlwerk und nervösen Lebensadern.

Langsam zeichnete sich am Horizont die Kontur eines dunklen Hügels ab. Als der Weg einen Schlenker nach Westen machte, war bereits die Kiefern-Bewaldung des Hügels zu erkennen. Abseits des Weges, im  Schatten der Bäume, versanken die Wanderer alsbald wieder im knietiefen Schnee. Vereinzelt waren Spuren von Tieren im Dämmerlicht des Mondes zu erkennen. Weiterhin lag eine bedrückende Stille über der Insel. Diese wurde plötzlich durch einen dumpfen Schrei unterbrochen. Einer der Gefährten viel kopfüber in eine von Schnee zugewehten Senke. Nur mit Mühe gelang das Aufstehen. Ohne großes Aufheben ging man schweigend weiter gen Norden den Hügel hinauf.

Zwischen den vor Schnee gebückt stehenden Kiefern zeichnete sich schmucklos die dunkle schemenhafte Kontur eines Monolithen ab. Nach ein paar Schritten zeichnete es sich klar und deutlich ab – das Denkmal – ein karger Obelisk voller Erinnerungen aus vergangenen Tagen. Schweigend und in Gedanken verloren standen die Weggefährten vor den zugeschneiten Gräbern der inzwischen umgebetteten Toten. Sie hatten Anfang 2009 an einem anderen Ort ihre letzte Ruhe gefunden. Ihre ehemaligen Gräber fügten sich quadratisch wie offene Särge aus Schnee und Sand um das Denkmal. Bis zu 84 Zwangsarbeiter und Kinder sollen hier damals verscharrt worden sein.

Schneebruch durchbrach blitzartig die beklemmende Stille und sendete gleichzeitig das Signal zum Rückmarsch aus. Diesmal schleppte man sich querfeldein – mitten durchs Nichts – durch die erstarrte steppenartige Landschaft. Als die Ufer des Plauer Sees erreicht waren, konnte man weiter südlich einen Pfad finden, der urplötzlich in der Zivilisation endete. Unermessliche Weiten lagen hinter den Abenteurern.

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