Heute Vormittag erreichte mich eine freundliche Nachricht über Xing, worin mir glaubhaft versichert wurde, dass der Ortsteil Wust ein liebenswürdiger sei. Nachdem ich mir die letzten Tage die Gliedmaßen locker gerockt hatte, war ich erstmals wieder einigermaßen hergestellt seit dem Nachtwandern. So beschloss ich einen noch offenen Tipp des Herrn Pixel in Sachen Lost Place abzuradeln. Dieser befindet sich in der Nähe der Götzer Berge und sollte mich auch über Wust führen. Das waren gleich drei Fliegen mit einer Klatsche: Fitness, Liebeswürdigkeit und Lost Place. Wunderbar!
Ich war nicht überrascht, als sich die Ausfahrt aus BRB schwierig gestaltete. Fahrradwege enden bei uns grundsätzlich im Nirgendwo und überhaupt wirkt alles auf einen Biker ziemlich unlogisch und verwirrend. Nachdem ich den Col du Tourmalet von BRB, die Brücke der Befreiung (man möge mich aufklären, wie die richtige Bezeichnung lautet), in respektabler Haltung hinter mir gelassen hatte, nahm ich die Esso-Tanke ins Visier. Dort wartete die nächste Herausforderung in Form einer Kreuzung auf mich. Augen zu und durch. Querfeldein brummte ich über diese.
Niemand wird erstaunt sein, dass ich an der kurz vor Wust folgenden Bahnquerung etwas abgekühlt bin. Zwei Güterzüge, rezessionsbedingt leer, rollten in Richtung Berlin. Kurz danach folgte dann der Abzweig in Richtung lovely Wust. Auch diesen Übergang musste ich mir erkämpfen. Shoppingwütige Brandenburger rollten aus dem Wuster Einkaufszentrum gen Heimat. Das Elend hat nun bald sein Ende; die Anwohner des Deutschen Dorfes freuen sich schon.
Jedenfalls erreichte ich ziemlich mittelmäßig gelaunt Wust. Schön hier?
Naja, zumindest ziemlich nett hier. Aber wer möchte schon nett sein? Nur sachliche Gründe können eine Ansiedlung in Form eines Wohnhauses hier rechtfertigen. Immerhin eine Schranke weniger zur Arbeit nach Potsdam. Der Höhepunkt war ein bewohntes Storchennest mitten im Dorfkern. Theodor F. hätte seine Freude dran.
Ab dem Ortsausgang BRB hatte ich mich bereits gewundert, dass kein Hinweisschild für Radler den Weg in Richtung Havel aufzeigte. In meinem ersten Leben als Stadtverordneter meine ich so etwas mit beschlossen zu haben. Tour de Brandenburg, Havelradwanderweg, europäischer Radwanderweg oder sonst was. Zumindest wurden die Gollwitzer unter diesem Versprechen eingemeindet: Wir Brandenburger asphaltieren Euch einen schicken Radwanderweg. Das dieser vermutlich entlang der B1 und nicht durch das nette Wust führt, entsprach nicht meiner Logik. So rollte ich durch Wust und nichts zeigte mir den Weg. Es blieb mir nur eine Alternative, entlang der Straße in Richtung B1. Ich wollte aber nicht von einer Waschstraße und einem Sexshop aus meiner Storchen-Idylle gerissen werden. Zwischenzeitlich hatte ich mit einem übermütigen Sprung von Bordsteinkante mein Hinterrad verzogen. Das permanente Quietschen der Bremsen ließ mich leicht zornig werden. Ich hatte die Lust verloren. Offensichtlich führte kein für mich akzeptabler Weg zum Lost Place nahe der Götzer Berge. Pixel, tut mir leid, ich muss den Standort mit dem Auto abfahren. Ich bleibe aber dran!
Auf der Rücktour durch Wust grinsten mich zwei Kandidaten der ehemaligen Volkspartei SPD permanent an.
Der gute Frank-Walter S., zukünftiger Ministerpräsident vom Land Brandenburg und der nette Ralf H., zukünftiger Justizminister vom Land Brandenburg, ließen mich Hoffnung schöpfen.
Lets make a new green deal! Vorschlag: Herr Holzschuher, Sie kümmern sich um eine ordentliche Beschilderung für Fahrradfahrer in Richtung Potsdam. Wenn nicht, gibt’s keinen Dienstwagen und Sie müssen morgens und abends mit dem Fahrrad ins Ministerium radeln. Herr Steinmeier, Sie beschenken Kirchmöser in Form eines Bahnforschungszentrums im ehemaligen Feuerwerkslaboratorium. Wenn nicht, müssen Sie zeit ihres Lebens mit hiesigen Unternehmern der Stadt in Saaringen grillen.
Beim Schreiben dieser Zeilen schwirrten mir unablässig folgende Lyrics der großartigen Talking Heads durch den Kopf. Wie ich finde, ganz gut auf den Punkt gebracht.
Were on a road to nowhere
Come on inside
Takin that ride to nowhere
Well take that ride
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Stephan, Bloggerkollege!
War schön spontan diese Aktion. Hätt´ste mal kurz recherchiert anstatt Dich auf einen Tipp zu verlassen (naja, ich weiß nicht, wie ausfühlich der war)…
Dann wärst Du vielleicht auf meine Beschreibung zu diesem mittlerein Teil des Havelradwegs gestoßen und Du hättest Dir das Storchenpaar an der Götzer Freiwilligen Feuerwehr ansehen können. Von dort noch 1,5 – 2 km bis zum Bahnhof und stündlich um halb fährt ein Sputnik nach Brandenburg.
Ich war bei der Eröffnung dieses Radwegs dabei. – Hier schreibt ein Götzer!
Im Juni 2008 bei der Eröffnung des Havelradwegs (genauer des mittleren Teils.) kamen Radler auch aus Brandenburg. Ein besonders aktiver älterer Radler erzählte von seinem Einsatz für einen Radweg abseits der B1. Die Stadt Brandenburg drückte sich um eine finanzielle Beteiligung. Klammer Haushalt, wirst Du besser wissen (lese die Märkische Allgemeine nur beim Elternbesuch in Götz). Die Radstrecke neben der B1 ist die am kostengünstigsten, natürlich kein Genuss. Weiter nördlich davon aber, wo man das Schilf sieht, gehts nicht so einfach. Da ist es feucht, oft überschwemmt, da würden die vielen Vögel gestört. Ja, so kann man sagen, das B1-Stück ist nur Überbrückung/Zubringer.
Abbiegen an der Brücke und entlang des Emster-Havel-Kanals – hättste auch von mir haben können.
Siehe hier:
http://blog.ost-impuls.de/archives/25-Havelradweg-wird-bald-eroeffnet.html
By the way:
Schöner ist es ab Gollwitz nach Götz im Frühling. In Gollwitz Zeit nehmen dort am Schloss(park). Von da ab nahe an der Havel ist es doch schön, entlang der Erlen oder Espen.
Besser gleich in Brandenburg den roten R1 zu nehmen und mit dem Rad in Götz auszusteigen und dann nach Potsdam zu radeln.
Hier sind ein paar nice spots beschrieben, nur anders herum, von Osten aus:
http://blog.ost-impuls.de/archives/139-Abwechslungsreicher-Havelradweg,-ab-Potsdam-ueber-Caputh.html
Beste Grüße
aus Berlin
Jörg
Hallihallo,
… das mit den im Nichts endenden Fahrräder ist ein klassischer Aufreger. Jeder Fahrradweg sieht ja gleich aus und jede Straße auch. Aber eine Straße kann eine Gemeidestraße sein, eine Kreisstraße, eine Landesstraße und auch – wie die B1 – eine Bundesstraße. Und diese “Straßenlastträger” bestimmen dann über den Radweg und haben unterschiedlich Lust auf Fördermittel und und und … das kann oft witzig werden. Deshalb ist eine Radwegeröffnung meistens nicht “nur wieder ein neuer Radweg” sondern oft ein echter Grund zum Feiern …
Übrigens mit den Alt-Volksparteilern kann man wirklich nur “dealen”, das “green” hast Du richtig gestrichen – ich sage nur: Braunkohle. Wers mit “new green deal” ernst meint, guckst Du hier:
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11746998/2242247/
Viele Grüße aus Neuenhagen mit den im Nichts endenen Radwegen …