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Zu viel Euphorie um das Web 2.0!

18. Juli 2009 von René · 4 Kommentare · Die Generalisten, Linktipp, Nachgedacht

Gemeinhin wird das Web 2.0 gefeiert und als Aufbruch betrachtet – kritische Töne habe ich eigentlich noch nie gehört oder gelesen. Dabei habe ich schon von Beginn an hinsichtlich bestimmter Aspekte Bedenken. Zum Beispiel bei Online-Netzwerken wie StudiVZ; denn dort verzichten die User meines Erachtens auf das einst hart erkämpfte Recht auf informationelle Selbstbestimmung, ohne dies zu bemerken. Orwell lässt grüßen!

Oder in Bezug auf ein immer häufiger auftretendes Phänomen: nämlich das der Inszenierung. Bei vielem, was man im Netz lesen kann, entsteht der Eindruck, alle anderen führten ein besonderes und exklusives Leben, nur man selbst lebe stinknormal. Die Grenzen zwischen dem, was stimmt, und dem, was nicht stimmt, sind beliebig geworden und somit nicht mehr klar zu erkennen. Wenn man ein wenig bei twitter stöbert, wird schnell klar, was ich meine. Ich hoffe, dieses szenige Verhalten setzt sich nicht durch. Denn: Der bisherige Trumpf des Internets war Authentizität.

Heute habe ich nun (endlich) in der SZ einen Artikel gelesen, der das Web 2.0 kritisch betrachtet. Darin heißt es u.a.:

Genau hier, bei der alltäglichen Publikation individueller Daten, fangen die Probleme an, deren Ausmaß niemand einschätzen kann. Es ist aber schon jetzt erstaunlich, wie viele Informationen aus dem Alltag der Nutzer sich im Netz spiegeln. Noch vermag niemand zu sagen, was aus all den Datensätzen wird, die sich im Laufe von Jahren und Generationen dort ansammeln… Und so weiß keiner, was einmal aus den milliardenfachen Facebook-Beiträgen in zehn oder gar in fünfzig Jahren werden wird, wo sie lagern, wem sie gehören und für wen sie dann zugänglich sein werden.

Und weiter:

Schon darum ist kaum zu klären, was virtuelle Communities eigentlich sind: Gemeinschaften, so real wie andere auch, Informationspools und Medien für die demokratische Wissens- und Willensbildung? Plattformen für ungezügelte Selbstdarstellungen, Programme, in die man sich reinzappt wie in die tägliche TV-Soap?

(SZ vom 18.7.2009, S. 4)

Der ganze Artikel ist äußerst lesenswert und mein Lesetipp für’s Wochenende. Er ist auch in der Online-Ausgabe der SZ zu finden, unter diesem Link.

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4 Kommentare bis jetzt↓

  • StephanNo Gravatar

    aktuelles beispiel der eitelkeiten ist die neue vodafone-kampagne. diese sollte hipp und zwoonullig werden. scholz&friends wurden als agentur verpflichtet. der dortige social-media-director, nico lumma (lummaland.de) sollte es richten. als testimonials verpflichtete man den unvermeidlichen sascha lobo (websozi und 2.0 hampelmann), den über ebay vermögend gewordenen robert basic (basicthinking.de bei ebay vertukkert), den alternativen kosmar (kosmar.de) und die nette frau schnutinger aka ute hamelmann (schnutinger.de).

    gestern dann implodierte die ganze kampagne nun in sich, nachdem sie bereits in der vorwoche im netz zerrissen wurde. schnutinger verursachte mit leihbaby auf dem arm einen blogeintrag auf http://www.blog.vodafone.de. dieser eintrag liest sich wie ein flyer vom lidl. die kommentare explodierten. schnutinger war beleidigt und kündigte heute ihren rückzug aus dem web 2.0 an. aus die maus. der lobo ist abgetaucht. hat sich vollends zu affen gemacht. und nico lumma muss die jubelperser von s&f bei den kommentaren von vodafone einfangen. herrlich!

    innerhalb von 10 tagen haben sich die “vorreiter” vom web 2.0 in sachen glaubwürdigkeit selbst vom markt genommen. das beste: was haben diese leute in sachen “zensursula” gebrüllt, getwittert, gebloggt und gepöbelt. der erste provider der die netzsperre einführte war vodafone… oberflächliches volk!

    hintergründe gibt es bei http://www.wirres.net.

  • MartinaNo Gravatar

    Ein wirklich spannendes Thema und gleich stellte sich mir die Frage: Was gebe ich eigentlich von mir Preis? Ja, und warum?
    Ganz schlimm her geht’s in den Mutti-Foren! Da ist das Profil mit einem tollen lustigen Bild der Kinder ausgestattet und da hängen an jedem Beitrag ellen lange Signaturen dran. Jeder kann lesen, wie das Kind/die Kinder heißt/heißen, wann, wo sie geboren wurden, wie schwer sie waren, wie groß sie waren, was der Kopfumfang betrug. Ganz eitle Muttis, die sich noch etwas abgrenzen wollen, schreiben dann ihre eigenen Daten von damals dazu… und wenn es noch ran passt, dann gibts die von Papi gleich mit dazu. Kaum zu ertragen sind dann die so genannten “Sternenkinder”… jene, die das Licht der Welt nicht erblickten, oder die die Geburt nicht überlebten, oder die nur ganz kurz gelebt haben…
    Ich frage mich, was treibt einen an, so etwas zu machen?
    Und ich finde keine Antwort…

  • pixelNo Gravatar

    @stephan: bist du follower bei robgreen? wenn nicht, lies mal was er so für comments abgibt … *rofl*

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