Es gibt Neues in Sachen Heimatkunde. Auf der Suche nach neuen Perspektiven für vom das Feuerwerkslaboratorium bin ich heute zum Abschluss durch Wusterwitz, die Heimat der Siggis, gerollt. In Wusterwitz Dorf, Höhe Eggerts Berg, fand ich ein Blogmotiv der Extraklasse. Ein verlassener Ort par excellence, der Provinzblogger hätte seine Freude dran.
Es handelt sich dabei um das ehemalige Ferienlager der Lederwerke Wolmirstedt bei Magdeburg. Traumhaft gelegen, oberhalb des Großen Wusterwitzer See, stehen ein paar groteske Hütten in der Gegend rum. Vielmehr als eine Unterkunft konnten diese Gebäude nicht sein. Bei der Lage sollte das auch keine Rolle gespielt haben. See, Wildnis und Abenteuer lagen direkt in der Nähe. Vielen Dank an den netten Wusterwitzer, welcher mich aufklärte und mir nebenbei noch 1 Kilo Kirschen verkaufte.
Falls es jemanden interessiert, der Eggerts Berg ist ca. 40 Meter hoch. Gleich um die Ecke liegt Götzes Höh, bis in die 1950er Jahre begeisterte der Puppenspieler und Wusterwitzer Original, Wilhelm Götze, dort mit seinem Marionetten-Theater Jung und Alt.
Also, falls hier großgewordene Kinder, deren Eltern damals anscheinend bei den Lederwerken in Wolmirstedt gearbeitet haben, mitlesen, teilt uns eure Erinnerungen und Erlebnisse mit! Unsere Dankbarkeit ist euch sicher.
ehem. Kinderferienlager Lederwerke Wolmirstedt auf einer größeren Karte anzeigen
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Danke für das Zeigen dieses Ortes – in Wusterwitz müssten auch die einige Leute der Funktechnischen Truppen der NVA rumgeturnt sein:
http://www.hidden-places.de/gallery/showgallery.php/cat/1281
Bin die Tage mal mit offenen Augen durch die Gegend gefahren und war erfreut einige alte Beschriftungen zu finden, die langsam aber sicher verblassen: “LPG Lenin” und ein riesiges “Einkauszentrum” muss da unbedingt nochmal mit dem Fotoapparat hin.
Mach weiter so!
Danke!
Du meinst die alte Radarstation auf dem Zolchberg. Bilder sind bereits gemacht, Artikel folgt bald… Derzeit ist die Anlage ziemlich gut eingezäunt. Eventuell kann man über die Verwalter (Reiterhof hat sich dort angesiedelt) was machen. Und dann gibt es da noch einen versunkenen Hof und ein verschwundenes Dorf… Demnächst mehr.
Wo genau warst Du?
Hi Stephan,
war auf nem Dorf bei mir in der Nähe in Marzahna.
Keine Angst, sollte ich mal endlich zeit haben für ne längere Tour in richtung Brandenburg, so werde ich mich sicher bei Dir melden.
Aber die nächsten freien Tage geht es erstmal nach Dresden und Leipzig – Kurzurlaub. Mal sehen was es dort noch zu entdecken gibt.
Zu Puppengötze gibt es noch eine tolle Geschichte. Der Mann konnte wunderbar schnitzen, er hatte ja auch alle Puppen selbst gemacht.
Er hatte als Auszeichnung, von einem Herren der heute besser nicht mehr genannt wird, einen Rundflug über Wusterwitz und Umgebung bekommen.
Mit Bekannten hatte er gewettet, dass er bei diesem Flug in seinen Kamin scheissen wird.
Als es zurück war zeigte er den Kamin und da lag ein Haufen Schei…. !
Der Mann hatte einen Haufen so nachgeschnitzt und in den Ofen gelegt, das die Leute dachten er sei echt. Er hatte die Wette gewonnen.
Ferdel, großartige Geschichte!
Es ist schon überraschend, dass die Hütten immer noch stehen. Ich bin zwei mal dort im Ferienlager gewesen, so gegen Ende der 1970er Jahre. Es gab in jeder Hütte drei Räume, rechts und links vom zentralen Eingang wohnten je 6 Kinder in drei Doppelstockbetten, in der Mitte im Durchgangszimmer die Erzieher. Die Kinder kamen nicht nur aus Wolmirstedt, sondern auch aus anderen Lederwerken. Jeden Morgen war Morgenappell, ob auch noch alle da waren. Ich erinnere mich auch an regelmäßige Ausflüge zum Truppenübungsplatz, wo die Russen regelmäßig Schieß- und Fahrübungen mit Panzern machten. War so etwa 1 km weit entfernt. Ein Kind verlor mal einen Finger beim Spielen auf dem Panzerfriedhof Kirchmöser, soviel zum Abenteuer. Die ganze Gegend war sehr von militärischen Aktivitäten dominiert. Nächtliche Schießübungen, Hubschrauberlärm, Panzerstraßen durch den Wald. Ist jetzt, glaub ich, wieder ruhiger geworden.
Hallo,
ich bin so ein ehemaliges Wolmirstedter Kind und bin jahrelang nach Wusterwitz ins Ferienlager der Lederfabrik gefahren. Das letzte Mal war ich 1975 dort.
Ich habe eigentlich nur gute Erinnerungen an das Ferienlager. Die Dauer des Aufenthalts war immer auf 3 Wochen angesetzt.
Was uns damals sehr begeisterte, war die Nachtwanderung, aber auch am Tage wurde viel gewandert, so ging es auch oft über die Panzerstraßen durch den Wald.
Bei den Wanderungen war es schon Pflicht sich einen schönen Wanderstock zu schnitzen.
Zum Baden hatten wir ein Stelle am See, die nicht überlaufen war, mitgenommen wurden da immer Kübelweise Marmeladenbrötchen und Milch, nach einem erfrischenden Bad gab es nichts besseres.
Ich kann mich auch daran erinnern, dass am Ende des Lagers in Richtung See noch ein Ferienlager war, aber von welchem Betrieb kann ich nicht mehr sagen.
Ich kann mich daran gut erinnern, weil wir mit dem anderen Ferienlagern ab und an mal einen Grillabend gemacht haben.
Das einzige unangenehme am Lagerleben war, dass wir einen Lagerleiter hatten, der nur links einen Arm und rechts ein Bein hatte, vermutlich eine Verwundung durch den zweiten Weltkrieg, dieser hat uns Jungs abends immer unter die eiskalte Dusche gesteckt und mit einer Wurzelholzbürste kräftig abgeschruppt, sollte wohl eine Abhärtung für uns sein, jedenfalls schliefen wir danach prächtig.
Kinder aus anderen Orten waren eher die Ausnahme. So kann ich mich noch erinnern, dass da ein, zwei Kinder z.B. aus Kirchmöser dabei waren.
Fazit:
Schade, dass das Lager leer steht und verfällt. Man könnte dieses Gelände doch sicher weiterhin für touristische Zwecke nutzen.
Hallo,
schön mal was über das Ferienlager Wusterwitz zu lesen und zu sehen.Ich war bis Mitte 80 er Jahre dort. War wunderbar.
Wir kamen aber von der Lederfabrik Hainichen.
Waren auch Kinder aus den ganzen anderen Lederfabriken der DDR da.
Schade, dass der Ort so verfallen ist.
Toll waren immer die Nachtwanderungen, die Disko, Neptunfest und und und.
Also danke für die Infos.