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Derentin – Ein untergegangenes Dorf

01. Juni 2009 von Stephan · 3 Kommentare · Brandenburg, Damals, Heimatkunde, Kirchmöser, Schöne Orte

Zwischen Gränert und Diebesgrund im tiefesten Auenland Gränertforst liegt der Faule See. An seinem Ufer siedelten einst die Wenden und gründeten dort mit ziemlicher Sicherheit das Dorf Derentin. Bekanntermaßen lebten die Wenden unter einfachsten Verhältnissen in ihren strohgedeckten Lehmkaten. Das Dorf soll sich am nord/nordöstlichen Ufer des Faulen Sees befunden haben.

Abb. Herrmann Breckow - Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde, Erster Teil

Abb. Herrmann Breckow - Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde, Erster Teil

Wer sich mit dem Bike in Richtung See aufmacht und den normalen Wanderweg nutzt, sollte genau über das untergegangene Derentin fahren. Mir ist nicht bekannt, dass dort noch Reste vom Dorf zu finden sind. Ich bin mir jedoch sicher, dass wenn man mit dem Spaten loszieht, man Einiges entdecken kann. Damals, als unser Geschichtslehrer Charly Mende mit uns die Gegend erkundete, haben wir weiter östlich ein paar berühmt-berüchtigte Scherben gefunden.  Wenn ich mich richtig entsinne, sollen diese ebenfalls von den Wenden gestammt haben. Es ist aber auch möglich, dass Semnonen (Germanen) im Zuge der großen Völkerwanderung ihre Spuren im Gränertforst hinterlassen haben.

Ufer Fauler See - Derentin

Eine Urkunde aus der Zeit von 1370-1400, welche die Besitzverhältnisse der Umgebung beschreibt, bezeichnete das Dorf Derentin als wüst. Spätestens zu Zeiten der Quitzows  (1400-1420) sollen die letzten Bewohner das Dorf in Richtung Brandenburg verlassen haben. Das Dorf war Geschichte und existierte nur noch als Feldmark. Die Gegend wurde weiter als Weideland und für den Fischfang genutzt.

Im selben Jahre 1417 haben Hans von Quitzow, Arnd Cleger und ihre Mithelfer von Plote dem Schulzen von Derentin, der Brandenburger Bürger war, 2 Pferde für 8 Schock böhmische Groschen geraubt, seine Fischerbude zweimal zerstört und verbrannt nebst Garn und Holz, alle “Bettewan” genommen, woraus ihm ein Schaden erwuchs von einmal 10, zu andermal 8 Schock böhmische Groschen.

Hermann Breckow, Vom Bauerndorf zur Industriegemeinde (Erster Teil), Hrsg. Helmut Borstel; S. 45 – Aus einer Klageschrift des damaligen Markgrafen

Was bleibt? Noch heute ist das Ufer des Faulen Sees ein Schöner Ort – einsam und naturbelassen. Die Plauer (Plote) waren schon damals die Bösen.

Update: Derentin am Gränert, 2 Hufen auf der wüsten Feldmark bereits 1390; 1437 als wüstes Dorf erworben. Später unter dem Namen Gränert eine Schäferei.

gefunden in: Die Bistumer der Kirchenprovinz Magdeburg: Das Bistum Brandenburg von Gottfried Wentz, S. 151

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3 Kommentare bis jetzt↓

  • daniNo Gravatar

    das ja der wahnsinn. we komme ich zu diesem see? müsste dann eigentlich nder alte heerstraße links i den wald?
    ich würd am liebsten jetzt in der nacht meine kamera schnappen und abmarsch dort hin.
    bitte erkläre mir den weg!
    grüße dani

    • StephanNo Gravatar

      dann mal los… der see ist relativ einfach zu finden. als orientierung dient die straße von kirchmöser nach mahlenzien direkt durch den gränertforst. von kirchmöser aus kommend, macht die straße so ca. 1 km nach dem ortsausgangschild eine 90° kurve nach rechts. an dieser kurve links auf dem kleinen parkplatz das auto abstellen und ab in den wald (ausschilderung fauler see ist vorhanden). räumlich: die straße einfach geradeaus in den wald vorstellen 20 meter nördlich davon beginnt der waldweg. von dort sind es zu fuß dann ca. 10 min.


      Parkplatz und Abzweig zum Faulen See auf einer größeren Karte anzeigen

      gruß

      sf

  • daniNo Gravatar

    superklasse. ich danke dir vielmals. bin am wochenende eh in wuwi unterwegs ein paar örtlichkeiten ableuchten und werde dort zwischenstopp machen.
    über weitere hinweise zu solchen schaurig-schön-morbiden plätzen bin ich dankbar.
    bin zwar nicht der meister der fotografie, aber ab und zu werden die unbearbeiteten (!) fotos mal was.
    http://www.flickr.com/photos/34547225@N02/3454489811/

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