Die Fußballsaison ist so gut wie vorbei. Heute geht es zum Abschluss nochmal ins Olympiastadion nach Berlin. Das DFB-Pokalfinale steht an. Bezüglich dieser Veranstaltung bin ich relativ leidenschaftslos. Mir ist ziemlich wurscht, wer gewinnt. Die Finalatmosphäre wird es wohl rausreißen. Weiterhin: Noch einmal Diego sehen, bevor er in der Seria A bei Juve versauert. Tendenziell würde ich es der Werkself wünschen. Ich bin dank dem Blog catenaccio.de über keine andere Mannschaft so gut informiert, wie über die Werkself. Also Jens, eine ganz tiefe Verbeugung. Aus Mitleid gönne ich euch den Titel.
Der Rückblick auf die Fußballsaison 08/09 fällt mir nicht leicht. Es war intensiv und unübersichtlich. Komische Saison. Irgendwie fing alles im Sommer 2008 an. Unvergessen wird mein Trip in die Festung Klagenfurt am Wörthersee bleiben. Mein erstes Pflichtspiel unserer Nationalmannschaft im Ausland und dann gleich bei einer Europameisterschaft, ließ mich in jeder Hinsicht erzittern. Im Stadion konnte ich vor lauter Aufregung kaum gehen. Aber alles wurde gut. 2:0! Der Gang in die Innenstadt glich einer Prozession ins Gefangenenlager. Irgendwie hatte ich das Gefühl, unsere polnischen Nachbarn wollten um jeden Preis die dritte Halbzeit gewinnen. Haben Konnten sie aber nicht, dank tausender östereichischer und deutscher Polizisten und unzähliger Hubschrauber. Irgendwo draußen auf dem Wörtherseee muss ein FlugzeugHubschrauberträger gekreuzt sein. Unglaublich. Der Rest der Europameisterschaft war Routine. Ziemlich übersäuert, ob des Vize in Europa, musste es mit normalen Fußball weitergehen.
Bis Weihnachten waren da die Bauern aus Hoffenheim. Der Spuk nahm jäh sein Ende. Wo sind die ganzen Hoffenheim-Fans geblieben, die im Herbst 2008 den Altstadt Pub bevölkerten? Ich vermute, die fahren jetzt alle einen Volkswagen, aus Verbundenheit zu ihrer neuen Liebschaft und können sich einen Kneipenbesuch nun nicht mehr leisten.
Im Herbst 2008 begann dann auch meine Entfremdung zur Nationalmannschaft. Eigentlich ist das unsauber ausgedrückt. Ich habe vom DFB die Schnautze voll! Den Journalisten Weinreich wollte man mundtot machen. Bierhoff sprach nur noch vom Produkt Nationalmannschaft und die Vergabepraxis vom DFB in Sachen Eintrittskarten sorgt für eiskalte Stimmung in den Stadien. Höhepunkt war der Umgang mit dem Kapitän Ballack. Über die Form seiner Kritik kann man streiten. Grundsätzlich hat er genau die Defizite aufgezeigt, die ich auch vermute. 2010 in Südafrika bekommen wir die Quittung, ganz sicher. Und ganz persönlich: Ein Michael Ballack hat immer Recht. Ich hätte die ganzen Boulevard-Affen mal sehen wollen, wenn der Ballack dem Podolski wegen seiner Undiszipliniertheiten im Spiel ordentlich eine gelangt hätte. Mit Sozialstunden wäre er ganz sicher nicht davon gekommen.
Ein paar Bayern-Fans lesen offensichtlich im BrandenBlog mit. Auch an euch ein paar Worte. Was habt ihr für einen feigen, unaufrichtigen und verlogenen Vorstand!
Mein BVB ist wieder da und steht mit leeren Händen da. Kommende Saison wird es der Klopp schon richten. Ich möchte ihn unbedingt vor der Süd auf dem Zaun sitzen und abspakken sehen. Alles wird gut!
Und dann war da noch Messi.
Verwandte Artikel:
- Hallenfußball in Düsseldorf Wer wegen der Weinreich-Affäre auf Distanz zum DFB gegangen ist, hat derzeit sowieso schon Probleme mit der...
- Löw gibt Kader für das Englandspiel bekannt Autor: René Das letzte Länderspiel des Jahres steht bevor und Löw hat gestern seinen Kader bekannt gegeben....
- Kniet nieder ihr Hauptstädter, die Bauern sind zu Gast! // Hertha BSC vs. Hoffenheim Autor: Stephan Heute geht’s zum Fußball in die Hauptstadt. Für Unkundige sei kurz erläutert: Die Überschrift des...
- We Love Music // Capitano // Schneefall Autor: Stephan Vor 7 Jahren stellte Steve Jobs den ersten iPod vor. Mein persönlicher Digitalisierungsurknall. Gestresst, beglückt...
- Deutschland vs. England // (Kein) Stimmungsbericht Autor: Stephan Unsere Bundeshauptstadt ist nicht unbedingt als Hauptstadt für Fankultur bekannt. Gestern Abend wurde dies wieder...

Also in Bezug auf Ballack muss ich widersprechen:
Zwar ist die Reihe derer, die sich hinsichtlich der Podolski-Geschichte auf Ballacks Seite gestellt haben lang: Sammer, Effenberg, Matthäus, Bild-Zeitung, SpOn, SZ usw. Doch verdeckt der Zorn über Podolski das eigentliche Problem Ballacks.
Meines Erachtens ist es so, dass Ballack seit dem “Capitano-Hype”, der speziell durch den Boulevard gefördert wurde und wird, seine Autorität nur noch aus der formalen Stellung seines Kapitäns-Amtes ableitet. Gerade sein Auftreten in den Medien zeigt: Er gefällt sich sehr in der Rolle des Anführers.
Aus spielerischer Sicht dagegen fehlt Ballack seit langer Zeit alles, was eine führende Position rechtfertigen würde. Erinnert sei nur an das unprofessionelle Verhalten in den letzten Minuten des EM-Finales. Ein derart destruktives Auftreten war für einen Kapitän mit dem Anspruch, seine Mannschaft zum Titel zu führen, völlig unangemessen. Und wenn man den Medienberichten aus England glaubt, ist die Leistung, die Ballack in den letzten zwei Jahren bei Chelsea gezeigt hat, an dem dortigen Niveau gemessen auch nur mittelmäßig.
Maulhelden wie Ballack sind als Kapitäne aber gerade keine Erfolgsgaranten. Die spanische Nationalmannschaft oder auch der FC Barcelona haben in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass man keinen schimpfenden Kapitän braucht, um Titel zu gewinnen, sondern ein funktionierendes Kollektiv (und bei beiden muss man erst mal lange überlegen, wer eigentlich Kapitän ist). Ähnliches gilt für den diesjährigen Deutschen Meister und den Pokalsieger: deren Kapitäne Josué und Frank Baumann ordnen sich dem Spiel unter und verstehen sich eher als Helfer der Mannschaft.
Ein guter und erfolgreicher Kapitän ist also derjenige, der durch sein mannschaftsdienliches Spiel auf und außerhalb des Platzes unter Verzicht auf hirarchiesche Strukturen seine Mannschaft besser macht. Und das ist Ballack noch nie gelungen.
Nichts anderes als eine Ballack-Abhandlung habe ich erwartet.
Trotzdem kann es nicht sein, dass ein Spieler, auch wenn er noch so gut ist, öffentlich in einem Spiel den Kapitän ohrfeigt. Was hat das denn für eine Vorbildwirkung?Wo ist der Respekt gegenüber dem Kapitän geblieben? Da spielt es keine Rolle, wie gut oder schlecht Ballack seine Rolle als Kapitän ausübt, diese Rolle hat er sich durch seine Leistungen in den vergangenen Jahren erarbeitet und sowohl für Klinsmann als auch für Löw ist er der verlängerte Arm gewesen und Sie wollten ihn als Kapitän nicht umgekehrt!
@ Stephan
Wollte dir auch eine Freude damit machen.
@ Matthias
Das ist richtig. Ich habe mich aber eher auf den Hinweis auf das Ballack-Interview in der FAZ bezogen. Den Ansprüchen, die er dort gestellt hatte, fehlt es – wie gesagt – an einer Grundlage. Nur wer selbst eine positive Leistung bringt, sollte sie von anderen öffentlich einfordern. Hinzu kommt eben, das Ballack in diesem Interview in Richtung der jungen Spieler völlig überholte Vorstellungen von Hirarchien hat erkennen lassen, nämlich solche, die noch aus seiner Zeit als Jungprofi, den 90er Jahren stammen. Denn: Was 2001 noch gut für einen CL-Titel war (Effenberg als Leitwolf) dürfte heute eben nicht mehr genügen. Flache Hirarchien und gleichwertige Spieler auf allen Positionen gewährleisten den derzeit erfolgreichen Schnell-Tempo-Fußball englischen oder spanischen Ursprungs.
Und sicher war es richtig, Ballack zum Kapitän zu machen. Doch seit dem Ende der WM hat er nicht mehr viel von dem gezeigt, was ursprünglich seine Ernnenung rechtfertigte. Übrigens: Bezeichnenderweise fehlte Ballack bei den besten Spielen der Mannschaft nach dem Ende der WM (speziell in der EM-Quali).