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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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damals #8: 22.000 Zuschauer // Stahl Feuer!

03. April 2009 von Stephan · 15 Kommentare · Brandenburg, Damals, Die Generalisten, Fußball

Die guten alten Zeiten, vorbei, finito, sie kommen nicht wieder. Insbesondere gilt das für den Fußball in unserer Stadt. In den 80er Jahren mischte die BSG Stahl Brandenburg die DDR-Oberliga auf. Die Saison 85/86 bildete den Höhepunkt. Man beendete diese als Fünftplazierter! Dies bedeutete die Teilnahme am internationalen Wettbewerb. UEFA-Cup! Für eine BSG (Betriebssportgemeinschaft) war diese Leistung ungewöhnlich. Das Bild der Oberliga prägten damals Vereine/Clubs wie der 1.FC Magdeburg, Dynamo Dresden, Lok Leipzig, BFC Dynamo Berlin und in ersten Ansätzen Hansa Rostock. In besagter Saison mischte dann unsere BSG oben mit. Stahl Feuer! Selbst an Spieltagen, die unter der Woche lagen, besuchten in den seltensten Fällen weniger als 10.000 Zuschauer das Stadion der Stahlwerker. Unvergessen die Enttäuschung meines Freundes, als an einem sonnigen Mittwochnachmittag der untergehenden DDR nur 8.500 Brandenburger den Weg ins Stadion fanden. Der damalige Gegner hieß Stahl Riesa.

Im Herbst 1986 betrat die BSG Stahl Brandenburg den internationalen Boden. In der ersten Runde wurden uns die Nordiren vom FC Coleraine zugelost. Zuerst auswärts. Gut so! Der Abend der Abende stand uns bevor. Mein Vater war arbeiten. Im Fernsehen lief das Spiel der Unaussprechlichen im Europapokal der Landesmeister (Vorgänger der Campions Leaugue). In der Küche suchte meine Mutter assistiert von ihrem Sohnemann die Mittelwellen der Radiospähre ab. Die Gedanken sind trübe. Jedenfalls sicherte uns Halbgott Eberhard Janotta durch seinen Auswärtstreffer das 1:1 Unentschieden. Ein Auswärtstor, die halbe Miete!

Der 01. Oktober 1986 sollte dann das Stahl-Stadion in seinen Grundfesten erschüttern. Das Rückspiel stand an. 18.000 Leute bevölkerten das Stadion. Die Hütte war brechend voll. Die weite Welt war zu Gast in der Stadt Brandenburg (Havel). Frank Jeske, Gott hab ihn seelig, ließ uns unseren Traum weiterleben. Durch das 1:0 war die 2. Runde erreicht.

Als nächstes wurde uns der IFK Göteborg zugelost. Ein ambitionierter Verein aus Schweden. Star dieser Mannschaft war damals Jari Rantanen, ein Sturmtank allererster Güte. Zuerst ging es wieder auswärts ran. Eine 2:0 Niederlage weckte unser stahlhartes Kämpferherz.

Es war ein diesiger 05. November 1986. Unsere Eltern hatten in der Schule durchgesetzt, dass der Unterricht verkürzt wurde. Gut so, schließlich stand  so etwas wie die Mondlandung für Brandenburg (Havel) kurz bevor. Mit der Tröte in der Hand, enterten wir die champagnerbeige Pappe. Jeder, der im Leben einer Passion folgt, weiß mit welchen großartigen Gefühlen wir gen Stahl-Stadion gefahren sind. Vor der Quenzbrücke ging es auf den heute zugewachsenen Parkplatz. Dank der strategischen Künste meines Vaters, konnten wir dort parken, wo wir auch in all den Jahren parkten, wenn Stahl Riesa oder Motor Suhl zu Gast waren. Die Polizei hatte den Uferstreifen des Silokanals ebenfalls zum Parken freigegeben. Eine unendliche Schlange von Pappen und Wartburgs zog sich in Richtung Görden. Der lange Marsch blau-weißer Brandenburger über die Quenzbrücke war schon immer ein unbeschreibliches Ritual. Diesmal war es anders als sonst. Voller. Angespannter. Fiebriger. Das Herz klopfte, ich war der Ohnmacht nahe. In der Nachbetrachtung ist mir klargeworden, was Fans empfinden, wenn sie den Betze hochsteigen, die Süd im Westfalenstadion erklimmen oder This is Anfield lesen.

Im Stadion war die Sache klar: Heute ist ein guter Tag um Geschichte zu schreiben. Es wurde kein Guter. Göteborg ging früh durch besagten Rantanen mit 1:0 in Führung. In der 42. Minute schoß Jan Voß den Ausgleich. Es sollte bis zum Abpfiff dabei bleiben. Wir waren ausgeschieden. Der Traum war zu Ende. Es war ein schöner Traum! Wenigstens sahen wir beim Ausscheiden gut aus, erstmalig gekleidet in 3 Streifen, wurde die Ehrenrunde zum Triumphzug. Niemand kann uns diesen Moment nehmen. Wikipedia schreibt heute von 22.000 Anwesenden im Stadion. Wohlgemerkt in einem Stadion, welches für 15.500 zugelassen war. Ich habe nie wieder diese Enge und diesen Zusammenhalt gespürt, wie damals im November 1986.  Für die Ewigkeit, die Aufstellung vom 05. November 1986:

Detlef Zimmer – Christoph Ringk – Eckhard Märzke, Jens Pahlke, Silvio Demuth – Roland Gumtz, Timo Lange (76. Uwe Kirchner), Frank Jeske, Ingolf
Pfahl (52. Bernd Kubowitz) – Jan Voß, Peter Schoknecht – Trainer: Peter Kohl. Verletzt: Eberhard Janotta

Epilog:

In der übernächsten Runde spielte der IFK Göteborg gegen Inter Mailand. Dieser wurde damals angeführt von einem gewissen Karl-Heinz Rummenigge . Nicht auszumalen, wenn wir damals…

Unsere Altvorderen behaupten noch heute, wenn der brilliante Eberhardt Janotta damals in den beiden Spielen gegen Göteborg nicht verletzt gewesen wäre, es hätte klappen können…

IfK Göteborg gewann später den UEFA-Pokal. Wir waren gegen die stärkste Mannschaft ausgeschieden.

Morgen fahre ich zum Fußball ins Olympiastadion nach Berlin. Ich habe Asyl beim BVB aus Dortmund gefunden. Es ist nie wieder so wie damals geworden.

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15 Kommentare bis jetzt↓

  • blumyNo Gravatar

    Irgendwo habe ich noch das Progammheft vom Spiel gegen Colerain rumzuliegen. Eine gute Regionalliga- oder sogar 2.- Ligamannschaft würde unserer Stadt gut zu Gesicht stehen aber das wird wohl so bald leider nichts werden. Asyl beim BVB? Tz tz tz… ist doch schade sein Team nur einmal im Jahr spielen zu sehen oder? ;-)
    Trotzdem Glückwunsch zum verdienten Sieg heute. Blauweiße Grüße aus der Ostkurve… Ha Ho He! :-)

    • Stephan SchoknechtNo Gravatar

      He,kenn mich mit den ganzen Sachen nicht so aus,
      aber ich bin bin der Bruder von Peter Schoknecht,der wird dies Jahr 50.
      Wenn ich ihm das Programmheft von damals präsentieren könnte wäre für ihn sicher ne tolle Sache.
      Falls du es entbehren kannst schreib mir,ich würd mich freuen!

      • HermannNo Gravatar

        Ich freu mich dich kennenzulernen,Stephan.
        Ich habe bis 1993 in der Thüringer Str. gewohnt.
        Ach ,ja unser Peter”Schoko”. Es waren herrliche Zeiten.Und der Peter war stark daran beteiligt.Stephan , welches Programmheft meinst Du? Es liegt noch eine ganze Kollektion im Keller.
        Schönen Dank für Deine Bitte an mich und melde dich bald wieder. Bremen grüsst BRB. Ach , gegen Coleraine???

        • schoknechtNo Gravatar

          Habe jetzt erst gesehen das ich eine Antwort bekommen habe,schreib mir bitte per mail deine Telefonnummer,ich meld mich umgehend bei dir!Danke

          • StephanNo Gravatar

            Ich habe Herrmann zwecks Telefonnummernaustausch eine Mail geschickt…

          • HermannNo Gravatar

            Hej, das klappt ja hier wie Brötchenbacken.
            So komm ich gleich dazu den Keller aufzuräumen.
            Tschüss und danke sagt euer Hermann!

  • FerdelNo Gravatar

    Ich musste lange in mich gehen, um kommentieren zu können. Was war das für eine geile Zeit, was hat man auf dieser Westtribüne für Nerven gelassen. Ich kann mich erinnern, dass ich bei einem Spiel gegen den BFC Dynamo einem Herzinfarkt nahe war, so erregt war ich. Ich merkte richtig, Ferdel, wenn du dich jetzt nicht zurücknimmst, dann fällst du hier um. Wäre ja auch was gewesen, aber für andere nicht für mich und die Familie. Es war oft nach dem Spiel Schweigezeit angesagt, weil der Haussegen schief hing, da ich mich leider mal wieder leicht erregt hatte.
    Aber es war eine schöne Zeit, ich möchte sie nicht missen. Das hat nicht mit Ostalgie oder so was zu tun.
    Der Stadt Brandenburg würde eine Zweitliga-Mannschaft schon gut tun. Aber das begreift man in dieser Stadt leider immer noch nicht. Auch die nicht, die zur Zeit Fußball zusammen quälen, dass einem schlecht wird. Ich meine damit auch eine Mannschaft, die sich einbildet der Fußballnabel der Stadt zu sein. Leider haben die nie in der Oberliga gespielt oder Europapokal Spiele bestritten und auch kaum gegen Lok Kirchmöser gewonnen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
    Ich sage nur: ” Stahl Feuer “.

  • HermannNo Gravatar

    Ihr sprecht mir sowas von aus der Seele.
    Ich habe ziemlich alles miterlebt, was mit unseren
    “Goldjungs” zu tun hatte.
    1981 oder 82 die ersten Auswärtsfahrten.
    Hammergeil .Sogar mal im Mannschaftsbus,welcher aus einem “ROBUR”bestand. Ich glaub es ging gegen KWO Berlin oder EAB Lichtenberg 47.
    Später dann die ganzen Aufstiegsspiele.
    Scheiss,ich krieg schon wieder ne Gänsehaut.
    Coleraine und Göteborg war wie im Trance.
    Tja und dann kam diese “Wende”genau zum falschen Zeitpunkt. Aber was erzähle ich euch das alles , ihr kennt euch ja aus.
    Bissel neugierig bin ich allerdings mit wem ichs
    hier zu tun habe!?
    Hab jetzt mein Exil in Bremen aufgebaut.
    Und komischerweise ging mir bei der Pokalfete am Rathaus “STAHL” durch den Kopf.
    WERDER tröstet mich aber über die Zeit.
    Macht viel Spass an der Weser.
    Aber diese 80-er Jahre werde ich gedanklich mit ins Grab nehmen.
    Ich bedanke mich bei Euch für eure Beiträge und für euer Interesse.
    Übrigens : Das Stadion am Quenz ist für die Zukunft gerüstet. “Stahl-Feuer”

  • Steffen ThieleNo Gravatar

    Ich bin durch Zufall auf die Seite gestoßen. Hat einer von eine Ahnung, ob Stahl mal ein Trainingslager und ein paar Spiele in Österreich gemacht hat? Das müsste noch vor der Wende gewesen sein. Wenn jemand was weiß, einfach schreiben, Vielen Dank im voraus
    Steffen Thiele

  • Schoknecht PeterNo Gravatar

    Hallo Stahl -Feuer- Fans,
    die Zeit verrinnt, die Gedanken an Stahl Feuer Zeiten bleiben.
    Es war eine schöne Zeit in Brandenburg zu spielen, Fussball-Leidenschaft, die klasse Fans im Rücken und dann die Stahl Feuer Rufe – Gänsehaut pur.

    Es wäre sicher ein klasse Event noch mal die alten Spieler gegen den alten UEFA Cup Gegner IFK-Göteborg auflaufen zu lassen. Ich glaube genug Spieler von damals sind noch vorhanden und 20.000 Fans gibt es sicher auch noch.

    Gruss Peter Schoknecht – Stahl Feuer

  • BRB-JörgNo Gravatar

    Habe das hier erst durch nen Eintrag im Stahl-Fanforum entdeckt.

    Falls noch Bedarf ist, das Programmheft gegen Göteborg hab ich mehrfach daheim. Man trifft mich bei jedem Stahl-Spiel an.

    Ansonsten schade, dass sich so viele Leute von damals an die großen Zeiten erinnern, aber heute nicht mehr ins Stadion kommen. Die Mannschaft hätte es verdient. Bei einem solchen Desinteresse der hiesigen Bevölkerung an Fußball hat die Stadt aber keine 2. Liga verdient. Erinnern wir uns: Selbst bei den letzten Spielen 1991/92 in der Bundesliga waren es keine 1.000 Zuschauer mehr. BRB ist keine Fußballstadt mehr und hat auch nicht die Wirtschaftskraft dazu.

    @ Schoko: Schön, von Dir hier zu lesen. Die Idee eines Revival-Spiels gegen Göteborg gab es anlässlich des 20jährigen Jubiläums durchaus. Es gab auch Kontakte. Göteborg hätte auf eine Antrittsprämie verzichtet und wollte nur Reise- und Übernachtungsspesen ersetzt haben. Das wären insgesamt aber trotzdem noch ca. 11.000 € gewesen – zuviel.

  • GränzerNo Gravatar

    Da kriegt man ja Tränen in die Augen…

    Es gab mal eine Üverlegung, das Spiel gegen Göteborg zu wieder holen… Leider ist das an den Kosten gescheitert… Und jeweils ein Spieler auf jeder Seite ist bereits verstorben…

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