Disclosure: Wir sind schwer begeistert! Heute können wir euch unseren ersten Gastbeitrag präsentieren. Unser Gastautor Renne hat ein phantastisches Thema ausgegraben. Zukünftig findet ihr die Beiträge unserer Gastautoren auf der Unterseite “Weisse Blätter”. Viel Spaß nun beim Lesen der Geschichte von Atletico Kirchmöser. Stephan
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Zu DDR-Zeiten war Kirchmöser so etwas wie Moskau-light. Da wohnten hier mit 5.000 sowjetischen Soldaten ebenso viele Sowjets wie Deutsche. Außer Sonntagspredigten der SED-Funktionäre zur deutsch-sowjetischen Freundschaft, zufälligen Angel-Begegnungen an der „Wusterwitzer Fahrt”, Pflicht-Samowar-Abende im „DSF-Haus” in der Bergstraße und gemeinsamen Laufwettkämpfen wie den Willy-Becker-Gedenklauf, der von der NVA gesponsert, rund um den Heiligen See führte, gab es aber quasi kaum Kontakte zwischen deutscher und russischer Bevölkerung. Schon gar nicht private.
Eines Tages, als auf dem Abenteuerspielplatz an der Wusterwitzer Straße mal wieder nicht genügend Leute für ein Fußballspiel zusammenkam, entschloss sich eine Gruppe sportbegeisterter Jugendlicher, Spieler anzuwerben – in der Wohn- und Einkaufssiedlung der russischen Kaserne zwischen Kirchmöser und Wusterwitz. Dort befand sich unweit des Cafés ein gut besuchter Bolzplatz. Verabredungen waren mit „Händen und Füßen” bald getroffen – immer Sonntag Nachmittag sollten Russen gegen Deutsche auf dem Abenteuerspielplatz gegeneinander antreten.
Um wahre Freundschaft ging es wohl nicht, eher um das Ausleben sportlichen Ehrgeizes und um die Aufbesserung der Russisch-Kenntnisse. Das Event entwickelte sich bald zum Klassiker – die Zuschauerschar wuchs beständig. Am 16. April 1988 wurde der Zuschauerrekord von 56 registriert, wobei manchmal auch jene gezählt wurden, die vom benachbarten Wohnblock am Starweg genüsslich aus dem Fenster starrten, während vornehmlich weibliches Publikum vom raketenartigen Klettergerüst die Fußballer zu Höchstleistungen anfeuerte. Die Kirchmöseraner nannten ihr am 6. September 1987 gegründetes Team „Atletico Kirchmöser”, wohl angelehnt an die Erfolge eines gleichnamigen spanischen Clubs, die Russen stürmten unter dem Namen Spartak – mitunter ungewöhnlich mit Gummistiefeln. Dafür war das Team um Kapitän Alescha „Telebaschnija” körperlich den Deutschen überlegen.
Zwischen dem ersten Spiel am 6. September 1987 und dem letzten – die 26. Auflage – am 30. April 1989 – kamen insgesamt 24 Kirchmöseraner Spieler zum Einsatz. 25 Spiele absolvierte Mannschaftsleiter René Peters, gefolgt von seinem Bruder Carsten (24), Vize-Teamleiter Stephan Falk (23), Trainer Torsten Rabe (21), Thomas Benkendorf (17), Tino Holtz (16) und Jan Michel (10). Die meisten deutschen Tore schoß mit 37 René vor Tino (30), Carsten (17/bester Elf-Meterschütze mit 9 Treffern), Co-Trainer Martin Lorek (8) sowie Olaf Arnold und Stephan Falk (je 7). Im torreichsten Spiel fielen ganze 31 Tore – mit einem Tor Unterschied siegten die Kirchmöseraner. Insgesamt wurden von beiden Mannschaften 322 Tore in die Maschen des Kleinfeld-Platzes gesetzt. Zudem gabs eine Form-Wertung, wo pro Spiel bis zu 19 Punkte zu erreichen waren u. a. für Tore, Vorlagen, Kampfgeist, gute Dribblings, faire Spielweise, Ballannahme, mannschaftsdienliches Spiel, Kondition und gute Spielfeld-Übersicht. Für unsportliches Verhalten und unzuverlässiges Erscheinen wurden aber auch Spieler gesperrt – sechs sogar für eine ganze Saison. Am Ende hatten die Deutschen mit 39:13 Punkten und 186:136 Toren die Nase vorn. Das letzte Spiel endete bei sonnigen 23 Grad mit 7:4 (3:0). In dem Spiel, in denen die Abwehr dominierte, stand es noch zwei Minuten vor Schluss 4:4. Dank guter deutscher Konter und katastrophaler Chancenverwertung bei Spartak, die mit „Mann und Maus” stürmten, gewannen die Deutschen das letzte Freundschaftsspiel, was wohl je zwischen Russen und Deutschen in Kirchmöser stattgefunden hat.
Wer noch Fotos aus jenen glorreichen Fußballtagen hat, mailt sie bitte an brandenburger6@gmx.de.

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So sieht übrigens unser “Stadion” heute aus:
http://www.flickr.com/photos/ipom/2615674378/
Weiterhin hab ich einen benannten Fotografen angemailt. Mal schauen.
Ansonsten ein großartiges Stück meiner Kindheit. Danke!
Ich saß zwar nicht auf der Rakete aber ich erinner mich gern ans Fußballspielen in Kimö obwohl ich ein Mädchen bin