Ist heute Jürgen Klinsmanns letzter Tag als Bayerntrainer?
Grundsätzlich ist mir egal, was die Medien zu anstehenden Trainerentlassungen schreiben; ich lehne dieses Verhalten sogar ab. Und so ist es auch bei Klinsmann. Dennoch schreibe ich etwas zu ihm. Der Grund ist folgender: Ich war 2004 von seinen Ideen begeistert, habe ihn mühsam gegenüber Freunden verteidigt, ich habe sogar die geliebte SZ im Frühjahr 2006 abbestellt, als auch dort nach dem Italien-Spiel das allgemeine Klinsmann-Bashing überhand nahm. Doch dann kam 2008 die große Enttäuschung: Klinsmann geht zu den Bayern! Gut, da konnte ich mir noch sagen, so sei es eben im Fußballgeschäft. Wofür ich aber keine Rechtfertigung finde ist Klinsmanns Selbstaufgabe bei den Bayern.
Ich hatte schon zu Beginn der Saison darüber geschrieben, wie enttäuschend Klinsmanns erste Wochen bei den Bayern waren. Schon damals hatte er sich auf eine peinliche Art und Weise an die bayrischen Verhältnisse angepaßt. Worüber man zu der Zeit noch nicht urteilen konnte, war: ob er denn zumindest seine auf das Spiel der Mannschaft bezogenen Ideen umsetzt – oder ob er sich auch darin dem kurzfristigen Erfolgsdruck anpaßt? Nun aber dürfte die Entscheidung über diese Frage reif sein.
Der furiose Endspurt der Hinrunde gibt meines Erachtens die Antwort. Dieser ist im Wesentlichen der überragenden Leistungen Lahms, Zé Robertos und noch mehr der Ribérys zu verdanken. Das erfolgreiche Spiel der Bayern beruhte auf den Impulsen dieser drei Spieler. Zu dieser Zeit hatte Klinsmann längst seine ursprüngliche Idee verworfen, Vielfalt und Unberechenbarkeit durch zwei oder drei Spielsysteme (3-4-3, 4-4-2, 4-2-3-1) zu erreichen. Die drei Unaussprechlichen aus dem Verein hatten ihn gedrängt, die “Experimente” zu beenden; kurzfristige Erfolge seien wichtiger.
Und nun hat Klinsmann den Salat: Inzwischen weiß jeder, wie die Bayern ticken. Jeder Gegner in der Rückrunde hat bisher konsequent Lahm und Ribéry auf der linke Seite der Bayern zugestellt – und nichts ging mehr. Die Mannschaft kann nichts anderes spielen; sie hat es eben nicht gelernt bzw. Klinsmann hat es ihr nicht beibringen dürfen. Blöd für Klinsmann dabei ist: Die Bayernbosse scheinen inzwischen auch das Medien-Gedöns zu glauben, laut dem er von Spieltaktik keine Ahnung habe und er seine Mannschaft nicht auf den Gegner einstellen könne. Das erinnert mich an meinen Kunstunterricht in der Schule: Unser Kunstlehrer half uns immer gerne (“ich male dir mal den Baum, dann siehst du, wie das geht”), und später gab’s dann wegen seiner Pinseleien ‘ne schlechte Note (“der Baum ist dir aber gar nicht gelungen”). Wobei Klinsmann mir (längst) nicht (mehr) leid tut; er wollte ja unbedingt zu den Bayern.
Sinnbildlich für Klinsmanns Inkonsequenz ist folgende Begebenheit: Aus München war vor zwei, drei Wochen zu hören, dass Klinsmann während der Hinrunde Rensing auf die Bank setzen und dafür Thomas Kraft, den 20jährigen Torhüter der Amateure, einsetzen wollte. Klinsmann habe sich davon Impulse für die Hinter- und dadurch gesamte Mannschaft erhofft und zugleich der Mannschaft zeigen wollen, er könne in schwierigen Situationen angemessen reagieren. Die Unaussprechlichen jedoch haben vehement auf Klinsmann eingeredet; ein Torwartwechsel würde nur Unruhe stiften und zudem stünden sie doch bei Rensing im Wort. Schließlich gab Klinsmann nach.
Dass das Scheitern von Klinsmanns Ansätzen bei den Bayern nun bedeutet, dass der deutsche Fußball grundsätzlich innovationsfeindlich und beratungsresistent ist, glaube ich nicht. Leverkusen, Berlin, Hoffenheim und zum Teil auch Bremen beweisen das Gegenteil. Was aber stimmen dürfte, ist: dass es speziell die Herren aus München sind, die die Dinge gerne selbst regeln. Das war auch schon zu Klinsmanns Bundestrainer-Zeiten so. Neben Peter Neururer haben damals nämlich die Bayern-Bosse am lautesten geschrieen und sich über die Gummibänder lustig gemacht.
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Keiner, außer die Bayern Oberen, wollte Klinsmann in München haben.
Er hatte von Anfang an Gegenwind. Bei mir war er unten durch, als er den Wurstfabrikanten, der endlich von selbst die Bank verlassen hatte, wieder auf die selbe zurückholte. Mit welchen salbungsreichen Worten er das tat, war einfach ekelhaft. Man erinnere sich, was dieser Wurstfabrikant über ihn als Bundestrainer vom Stapel gelassen hatte. Das war weit unter der Gürtellinie. Den dürfte er nicht mal mit dem Arsch angucken und dann diese Liebkosungen.
Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass der eigentliche Vater des damaligen Erfolges ein ganz anderer war.
Verstehe nicht ganz welche innovativen Ideen Klinsmann bei der WM gehabt haben soll. Er ist ein guter Motivator und kann seiner Mannschaft richtig einheizen, dass stimmt. Aber er ist definitiv kein guter Trainer. Und genau das hat er auch bei den Bayern gezeigt. Ohne jemanden wie Jogi an seiner Seite bekommt er es nicht hin, spielerische Leistung aufs Feld zu bringen. Er war ein guter Spieler, aber an seinen Trainer-Qualitäten hapert es massiv. Das war doch auch schon im Film Ein Sommermärchen zu erkennen…
Neues von Klinsmann als Bundestrainer war: konsequenter Einbau junger Spieler; Vorrang der Leistung vor Verdienst; konsequentes Offensivspiel; Spielaufbau beginnt beim Torwart und den Innenverteidigern; intensives Flügelspiel, um in den Rücken der gegnerischen Abwehrreihen zu kommen; saubere Tacklings anstelle altbackener Grätschen (von hinten); schnelles Paßspiel; individuelles Kraft- und Konditionstraining; teambuilding (bei der WM ist jeder dür die anderen gelaufen; im übrigen etwas, was ich in der EM unter Löw so nicht gesehen habe).
Ich finde, er ist ein guter Trainer. Ich räume gewiss ein: Bei Bayern hat er das nicht gezeigt. Warum, das habe ich ja oben erläuetert. Klinsmann darf eben nicht er selbst sein. Ich bin sicher, die Bayern stünden deutlich besser da, hätte man Klinsmann von Beginn an uneingeschränkt machen lassen. Dies gilt erst recht für die nächste Saison, wo man ja die Champions League gewinnen will. Derzeit sehe ich nicht, dass die Mannschaft weiter ist als unter Hitzfeld. Und das hatte ja nicht mal für den Gewinn des Uefa-Cups gereicht.
Na und nun ist wieder heile Welt nach dem 5:1. Die Laune ändert sich wie der Wind. Und nach der nächsten Niederlage geht die Diskussion wieder von vorne los. Fussball ist ein Unternehmen, wo es um viel Geld geht. Der nächste Auftrag, das nächste Spiel, bring drei Punkte heim, dann bezahl ich euch viel.
12:1 – da schauste! Wenn die jetzt wieder die Konstanz wie zum Ende der Hinrunde hinbekommen, bauen die dem Klinsmann ein Denkmal. 2 Titel! Im CL-Finale gegen Pool ein 3:0 drehen… Wart ab!
Jaja, die Wurstfabrikanten- und Bayern-im-Allgmeinen-Hasser haben gesprochen… Toll!!!
Nun mal ehrlich, wer beim FCB anheuert, muss wissen, dass er zu Erfolgen verdammt (und wahrscheinlich auch per Arbeitsvertrag verpflichtet ist) , eine Ansammlung an Lichtgestalten des deutschen Fussballs – und ich meine nicht die von vor `45 oder `54, sondern Hammer, wie Beckenbauer, Rummenigge, Hoeness, Maier Sepp, Breitner Paul oder Müller Gerd – in Einflussphären des Vereins, eine Medienlandschaft vor Ort, die sich gewaschen hat und natürlich eine umfassende nationale Häme gegen sich hat.
Also, was wollt Ihr eigentlich???
In der CL sowas von souverän im Viertelfinale und in der Meisterschaft auf einem 2. Platz (hinter einer Hertha, die sich seit Monaten nur noch auf einen Wettbewerb konzentrieren darf und vor TSG Hoppenheim, die eigentlich nur Liga spielt).
Sicher, ich gebe Dir recht, seinem Anspruch, jeden Spieler jeden Tag ein wenig besser zu machen ist er noch nicht ganz so nachkommen können, und auch seine Art von Fussballverständnis und Taktik konnte er – noch – nicht einbringen. Die Experiemente am Anfang 4-3-3, 7-5-1-0-1, 6 aus 49 usw. seien ihm gegönnt, da er noch keinen Überblick über individuelle Stärken und Defizite haben konnte, denn erinnern wir uns, eine KOMPLETTE Saisonvorbereitung mit einem VOLLSTÄNDIGEN Kader war aufgrund eines kleinen Freundschaftsturniers Mitte letzten Jahres nicht wirklich möglich.
Das der Vorstand eines Vereines nach einem verkorksten Saisonbeginn erstmal Ruhe und eine gewisse Punktestabilität durch besinnen auf alte Stärken / Systeme bringen möchte / muss sollte verständlich sein…
Klar hast du auch recht, wenn du sagts, dass Ribery, Ze und Lahm zustellen schon reicht, um die Bayern aus dem Spiel zu nehmen. Aber kann man das dem Jürgen ankreiden?
Seit Herr Schweinsteiger einen neuen Vertrag zu verbesserten Konditionen in der Tasche hat spielt er unterirdisch, Borowski hat die Nase zu hoch im Wind, als das er den Ball noch sehen könnte und Hamit ist schon wieder verletzt und Poldi weiss auch nicht so recht, ob er Lust hat oder nicht…
Das sind Dinge, die m.E. nicht wirklich dem Klinsi anzulasten sind. Das man allerdings Kroos weggegeben hat lässt mir das Herz bluten und zu Jansen sag ich schon mal gar nichts mehr…
Was ich eigentlich sagen wollte, der Spagat zwischen Anspruch – Titel, Tore und Tabelle – und Anspruch – Karamba, Samba, Ole`- ist halt verdammt schwer, und jeder vernüftige Trainer, Manager und Spieler wird sich im Zweifel für die Titel entscheiden und nicht sagen: “Scheísse, 0-8 verloren, aber wir haben heute sooo geilen Fussball gespielt!!!”
Ach ja, wo stehen denn die Mannschaften, die sooo tollen, innovativen Fussball spielen wollten???
Gegen den FCB reißen sich alle am Riemen und verkacken dann gegen Bielefeld und Karlsruhe…
1. Dortmud / El Kloppo
Tabelle Platz 9 – international ???
2. Werder Bremen
Tabelle Platz 10 – international – CL aktuell raus, nächstes Jahr wird eng, Etat muss schon mal gekürzt werden – UEFA – Cup aktuell ist nicht wirklich der Anspruch aus dem eigenen Selbstverständnis
3. Schalke 04
Tabelle Platz 8 – international raus
Trainer ??? System??? Manager???
4. HSV
Tabelle Platz 5 – international UEFA – Cup, nach dem 1:1 gegen Istambul wird das Rückspiel in Istambul nicht einfacher…
5. Stuttgart
Tabelle Platz 6 – international raus…
Einzig die ungeliebte Hertha aus Berlin zeigt, dass man einen Trainer in Ruhe arbeiten lassen kann und die Erfolge kommen können…
Es wird zwar kein schöner Fussbal gespielt, aber im Rahmen der / Ihrer Möglichkeiten sind die Spieler in der Lage mehrere Systeme zu verinnerlichen und bei Bedarf umzusetzen.
Na gut, von Hertha erwartet auch keiner auch nur irgendwas, so dass es wohl auch keiner merken würde, wenn die in 3 Wochen wieder auf Platz 5 stehen werden…
In diesem Sinne, abgerechnet wird am letzten Spieltag…
@ Vadder: der Wurstfabrikant heißt Uli Hoeness, ist der dienstälteste Manager der Liga und hat den FCB in einem Alter auf den Weg zur Weltspitze gebracht, als manch einer von uns noch überlegt hat, was er beruflich werden will…
Hamburg, Bremen, Dortmund usw. hatten auch einmal jede Menge auf dem Festgeldkonto, leider aber nicht immer den entsprechenden Weitblick.
Und natürlich polarisiert der Uli, aber irgendwie hat er komischer Weise (fast) immer Recht gehabt…
Was ich noch vergessen habe, der Trainer stand komischer Weise immer nur in den Schlagzeilen diverser Boulevard-Blätter zur Disposition, die sich auf irgendwelche gut informierten Kreise aus dem inneren Umfeld des Vereins berufen – sicher Udo Lattek nach dem Blick auf den Grund seinens leeren Bier- oder Weinglases.
Von Seiten des Vereins hörten sich die Statements da irgendwie immer anders an. Keine Ahnung also, wo die Infos über die Deadlines oder eine bevorstehende Kündigung herkamen…
Und mal ehrlich, wen interessiert, ob Schaaf, Klopp, Rutten oder wer auch immer rausfliegen?
Mit dem FCB und Klinsi macht man halt Schlagzeilen und die verkaufen eben Zeitungen…
Das 99% der Artikel Müll sind – wen kümmert
Mir ging es – wie es Überschrift und auch der Text selbst zeigen – lediglich darum zu zeigen, dass Klinsmann seine Ideen aufgegeben hat. Wo andere Mannschaften derzeit in der Tabelle stehen, hat damit meines Erachtens nichts zu tun. Das ist übrigens auch nicht Klinsmanns Anspruch; er wird sich ggf. nämlich kaum damit trösten, dass etwa auch Klopp auf Dortmund viele seiner Ansätze aufgeben musste.
Was ich geschrieben habe, ist ferner unabhängig vom Tabellenplatz der Bayern. Es hat auch nichts mit irgendwelchen Krisen von Spielern zu tun. Wie gesagt: Es geht darum, dass Klinsmann sich vom Druck des Umfeldes hat beeindrucken und beeinflussen lassen.
Was du alles ansprichst ist durchaus interessant. Es berührt aber im Grunde genommen das eigentliche Thema nicht. Es spricht auch nicht gegen meine These. Die war doch: Klinsmann ist abgerückt von seinem besonderen Weg – und ein ganz normaler Bayern-Trainer geworden.
Im Übrigen waren es gerade die Verantwortlichen des Vereins, die Klinsmann öffentlich demontiert haben. Nur ein Beispiel: Rummenigge und nicht die Presse hat Donovan öffentlich als untauglich dargestellt (zur Erinnerung: Donovan war Klinsmanns Lieblingsspieler).