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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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Kneipengeflüster

06. März 2009 von Stephan · 8 Kommentare · Brandenburg, Die Generalisten, Politik

Jeden letzten Mittwoch im Monat tagt bekanntlich die Stadtverordnetenversammlung von Brandenburg an der Havel. Nun sagt man gemeinhin, Politik wird in den Hinterzimmern von Kneipen gemacht. Dies ist in Brandenburg an der Havel mitnichten der Fall. Leider.

Über den Zustand unserer Kommunalpolitik möchte ich hier nicht viele Worte verlieren. Einen Überblick bekommt man ausgezeichnet drüben beim Platzhirschen. Nur eines: Es fehlt Vertrauen; an allen Ecken und Enden vermutet man den Scharfschützen hinter dem nächsten Baum.

Wie ensteht Vertrauen? Indem man sich kennenlernt, fernab von Ausschusssitzung und Co. Irgendjemand anderes Schlaues muss vor Jahrzehnten genau die gleichen Probleme gehabt haben. Diese wurden dann anscheinend über vertrauensbildenes Biertrinken in einem Hinterzimmer einer Kneipe gelöst. Und so muss irgendwann der Mythos von biertrinkenden Politikern in Hinterzimmern von Kneipen entstanden sein. Gut so!

So sieht’s in Brandenburg an der Havel aus:

Angefangen hat alles, als die SVV noch in der Kantine in der Potsdamer Straße tagte. Niemandsland. Im besten Fall hätte man sich bei Real an der Frischetheke treffen können. Stattdessen lief man nach Sitzungsende auseinander. Schwarze gingen ins Al Dente, Rote zum Kroaten in die Kaskade. Teilweise wurden einsame Seelen auch im Herzschlag oder in den Bismarck-Terrassen gesehen. Der stolze Rest ging nach Hause. Es war erbärmlich. Manchmal erbarmten sich einige Schwarze und gingen den schweren Weg in Richtung Kaskade. So entstanden legendäre Abende, leider jedoch ohne Nachhaltigkeit, man hatte auf das falsche Pferd gesetzt.

Mit dem Umzug der SVV ins Theater wurde es leider nicht besser, obwohl sich das biertechnische Umfeld stark verbessert hatte. Die lonely Hearts von der SPD saßen weiterhin beim Kroaten rum. Die üblichen Kondolenzbesuche der Schwarzen ließen nicht lange auf sich warten. Den idealen Ort für einen Aufbruch in eine neue Trinkkultur hätte die Theaterklause darstellen können. Dies gelang leider nur sporadisch. Vereinzelt wurden dort Alphatiere und Gammamücken beim Nippen beobachtet.

Der neuerliche Umzug in das Herz der Altstadt, in das Rathaus, sollte für alle einen Aufbruch darstellen. Ungeahnte Möglichkeiten! Tresen soweit der getrübte Blick reicht! Leider stellte sich auch hier unverzüglich die bekannte Agonie ein.

Zum Jahreswechsel 2008/2009 waren die Fronten verhärteter den je. Es bestand die Gefahr, dass Teile der Bewegung statt biertrinken, sich mit Biergläsern bewerfen. Keine gute Ausgangsbasis für seelige Abende. Die Schwarzen verbarrikadierten sich im Restaurant des Sorat-Hotels. Die Roten, diesmal von der ganz schnellen Sorte, sicherten sich die Pole-Position unten im Ratskeller. Ein kleiner Mob aufrechter, mandatsloser politisch Gezeichneter hält im Altstadt Pub die Stellung und fröhnt der kroatischen Tradition.

Die Sitzungen der SVV wurden unter Chefarzt Jung länger denn je. Teilweise debattierte man bis 23 Uhr in die Nacht hinein. Dies hatte zur Folge, dass große Teile der im Altstadt Pub wartenden Bohème sich bereits ihrem Schicksal ergeben hatte und mit leeren Augen Richtung Fernseher die Champions Leaugue schauend über längst vergangene Zeiten tagträumte. Das Glas war mehr als halbvoll/halbleer.

Letzten Monat passierte dann das Unglaubliche. Die Lager begannen sich aufzulösen! Das Restaurant im Sorat musste auf sämtliche Tageseinnahmen verzichten. Im Keller unter dem Ratskeller wurde mehr als ein Tisch eingedeckt, es bestand die Gefahr, dass das Wechselgeld aus geht. Schwarze, Rote und andere Farbtupfer trafen sich auf einen Absacker. Im Altstadt Pub hat man davon nichts mitbekommen, jeden letzten Mittwoch im Monat ist dort Fernsehabend.

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8 Kommentare bis jetzt↓

  • VadderNo Gravatar

    Wie soll man denn zu Leuten, die Leuten vorwerfen schwachsinnig zu sein, da diese die ganz normale Überprüfung der Verordneten auf STASItätigkeit fordern, vertraut werden? Ist mir persönlich schwer vorstellbar.
    Ein Schelm der Böses dabei denkt.

  • VadderNo Gravatar

    Ich meine, soviel Bier kann man gar nicht saufen. Kriegt man ja einen Wasserbauch, Wasser in den Beinen und wenn man Pech hat auch im Kopf.

  • HirseNo Gravatar

    Wir haben das Jahr 2009 und die jungen Leute können mit der DDR und der Stasivergangenheit eh nichts mehr anfangen. Ich finde es wichtig, dass man sich für sein “Stadt” einsetzt, und das ist das einzige was zählt – wird vom Wähler gewürdigt. Wo will man den den Schlusstrich ziehen? 1945 oder 1989 oder Du warst für Kohl oder Du bist ein Ossi/Wessi?
    Politiker sollen was tun und nicht in der Vergangenheit lamentieren!
    Gruss Hirse, ich geh jetzt zur Weinmesse in Berlin und torkle dann nach Hause.

  • StephanNo Gravatar

    @Hirse
    Ich kann dieses leidenschaftlose Gelaber nicht mehr hören. Wer so argumentiert, sollte keinen Anspruch an die Politik und erst recht nicht deren an moralische Maßstäbe haben.

    Ich würde mich freuen, wenn diese jungen Leute mehr mit den Begriffen Vergangenheit und Verantwortung anfangen könnten. Anscheinend kannst du, Hirse, mit der Vergangenheit auch nicht viel anfangen, sonst wäre inhaltlich mehr gekommen, als wegschauen oder Kopf in Sand oder Schwamm drüber.

  • VadderNo Gravatar

    Es geht darum, dass ehemalige Stasispitzel nichts in demokratischen Parlamenten zu suchen haben, egal wie lange es her ist, dass sie Leute angeschissen haben.
    Was das meisten bedeutet hat, wissen wir zur genüge. Oder wollen wir nun auch damit anfangen das zu leugnen, ist ja zur Zeit sehr modern. Würde auch einigen Leuten gut gefallen.

  • RenéNo Gravatar

    Also ich sehe das auch so wie Stephan und Vadder. Warum soll jemand, der andere bespitzelt und somit deren Rechte aufs gröbste verletzt hat, nun ohne weiteres deren Rechte in der SVV vertreten?

    Und dass jemand sich für seine Stadt einsetzt, ist gerade nicht das einzige, was zählt. Wer bespitzelt wurde oder gar noch Schlimmeres erleiden musste, der hat verdammt nochmal einen Anspruch darauf, dass die Täter nicht wieder hinter ihren Masken die staatlichen Repräsentanten spielen.

  • MartinaNo Gravatar

    Muss ich mich anschließen und hinzu fügen, dass sich eine Gesellschaft nicht ihrer kulturellen Verantwortung entziehen kann. Und weil 20 Jahre lang weitgehend versäumt wurde, die Geschichte und die politischen Verbrechen aufzuarbeiten, heißt das nicht, dass alles im Sande verlaufen ist und nicht mehr notwendig ist. Eine Aufarbeitung ist nötiger denn je; wehret den Anfängen! http://www.stiftung-aufarbeitung.de/

  • pixNo Gravatar

    @stephan: genau! ich hab das gefühl das sich jeder einfach nur noch seiner umgebung anpasst und sich wie ein leguan farblich verändert. und hirse, das soetwas von dir kommt enttäuscht mich nun wirklich…

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