“Was erwartet mich denn heute?” “Seien Se still!” Das klang zornig. Musste ein Untersuchungsgefangener sich doch denken können, dass auf den Gefängnisfluren nicht gesprochen werden durfte; schon gar nicht in diesem vertraulichen Ton. Hier wurden keine Freundschaften geschlossen, hier wurde verwahrt und verwaltet, ermittelt und bestraft.
Ich habe einen neuen Freund gewonnen. Manfred ‘Manne’ Lenz habe ich im Januar 2008 kennen gelernt. Er ließ mich teilhaben an seiner Geschichte. Und so saß ich mit ihm im Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Dort offenbarte er mir sein Leben und ich konnte ihm folgen, zurück in seine Kindheit und Jugend. Eine Zeitreise, die sich durch die deutsch-deutsche Geschichte zog.
Es zeigte sich, dass Manne Lenz ein Problem hat, eines mit großen Zähnen: Er hat ein Krokodil im Nacken, das jedesmal zuschnappt, wenn er zu opportunistisch wird. Sein Gewissen ist es schlussendlich auch, das ihn dahin bringt, wo er sich befindet. Manne Lenz verdeutlichte mir, wie eine Diktatur es geschafft hat, dass der Zensor bei jedem Einzelnen im Kopf sitzt und wie schwer es unter diesen Umständen ist, sich selbst treu zu bleiben.
Deshalb: Jeder sollte ein Krokodil haben! Kaufen!
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in der tat ein grandioses buch! an dieser stelle nochmals danke für den tipp. die letzten seiten habe ich im sommer auf meiner terasse im halbdunkeln gelesen. die allerletzte mit feuerzeug! ich musste das ende wissen!
“…schöne maid hast du heut für mich zeit…”
ich hoffe noch immer auf eine verfilmung.
Ich werde das Krokodil bestimmt nochmal lesen… als ich gestern eine Stelle zum Zitieren raus suchte, da hat`s mich glatt wieder erwischt.
Tja, die Verfilmung…. ich weiß nicht, ob das möglich ist?! Sowas Großartiges?! Hab Angst, dass mir dann mein Kopfkino zerbombt wird… Aber wenn, dann bitte den genialen Sebastian Koch als Manne Lenz.
was mir enfallen ist: dieses buch war doch autobiographisch?
Ja, stimmt. Manne Lenz = Klaus Kordon. Wobei Kordon nie groß über sein Schicksal gesprochen hat oder sich deswegen (als Märtyrer) herausheben wollte. Die Öffentlichkeit hat dann erst durch das Buch von den Umständen der “Ausbürgerung” erfahren.