Zwischen Tee und Kaffee habe ich heute morgen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung einen bemerkenswert guten Artikel über das inoffizielle Netz der Staatssicherheit in Brandenburg an der Havel gelesen.
93 „gesellschaftliche Mitarbeiter für Sicherheit“ waren in Brandenburg für die Stasi tätig (Stand: 1988), 366 Bürger bespitzelten Nachbarn, Freunde und Arbeitskollegen so wie IM-S Zeller im Werk für Gleisbaumechanik, der noch im November 1989 fleißig weiter Berichte schrieb. 13 IM-E waren in Brandenburg und Umgebung im „besonderen Einsatz“, ebenso viele hatten größere Verantwortung als Führungs-IMs: so wie F-IM Meier, der 32 IMs im Stahlwerk betreute, oder F-IM Steinbach mit seinen 22 IMs im Weichenwerk. Die 125 Brandenburger IM-Ks waren die Inoffiziellen, die für die Stasi konspirativ genutzte Wohnungen gemietet haben.
Die Krone der Spitzeltätigkeit trugen die DDR-weit 3900 IM-Bs (Stand: Dezember 1988). Diese Denunzianten-Elite war angesetzt auf die „Feinde“, ihr Schwerpunkt lag in den 80er-Jahren vor allem in der Spionageabwehr, am Ende konzentrierten sie sich auf Kultur, Kirchen und den politischen Untergrund.
Zwölf Namen kennt die Stasiunterlagenbehörde für die frühere Kreisdienststelle Brandenburg, eine relativ große Zahl für die Kreisgröße.
Lesenswert ist auch der frische Kommentar in der Rubrik Moment Mal.
Es passt zur Verdrängung, dass das Thema Stasi in der neuen SVV bis dato keine Rolle gespielt hat. Nicht einmal ist die Forderung laut geworden, die neuen Stadtverordneten müssten sich einer Überprüfung unterziehen, weil sich ein Mandat und Verrat nicht miteinander vertragen.
In der politischen Spitzenliga von BRB herrscht zu diesem Thema nach wie vor – Schweigen. Die BrandenBlogger hatten sich bereits im Januar diesen Jahres darüber gewundert. Wir sind gespannt, wie die Reaktionen der politisch Handelnden ausfallen. Wir haben da eine Vermutung…
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Das ist wirklich ein Thema, welches bewegt oder eben auch nicht. Ist der Brandenburg so schnell vergesslich oder ist es die typische Apathie die den Brandenburgern nachgesagt wird (siehe Beitrag zum Thema Studienstadt)?
Warum aber kommen die lokalen Parteigroessen nicht hinterher? Ein Schelm der dabei böses denkt! Was muss passieren das die Geschichte aufgearbeitet wird ? Müssen erst die alten abtreten und junge politische Nachwuchskräfte das Zepter in die Hand nehmen ? Ich denke dann ist es zu spät.
Es wäre, glaube ich, die Aufgabe der Jugendorganisationen der Partei dort immer und immer nach zufragen !
btw. könnt Ihr die Links bitte so ändern, dass diese in einem extra Fenster aufgehen? Navigiert sich besser.
@pixel
grundsätzlich sind wir bemüht, die regeln der blogsphäre einzuhalten. das bedeutet, externe link werden so gesetzt, dass sie im selben fenster aufpoppen. im falle der maz-verlinkung sind wir uns nicht sicher, ob diese unter die creativ-commons-lizenz fällt. deshalb haben wir diese entsprechend der uns selbst auferlegten blogiquette gesetzt.
Pixel schreibt: “Es wäre, glaube ich, die Aufgabe der Jugendorganisationen der Partei dort immer und immer nach zufragen !”
Ziemlich einfach geschrieben. Denn: Das Ausmaß ist riesig und eine Sensibilisierung gegenüber der Stasi-Vergangenheit gibt es nicht. Klar, da muss die Jugend ran und mal schnell bei den alten Genossen den Finger in die Wunde legen. Das soll die Jugend, das sollen Jungpolitiker tun? Mal eben die Geschichte aufarbeiten… indem sie immer wieder ‘nachfragen’… ? Werde bitte mal konkret: Wie soll das genau von statten gehen?
Das dies kein einfaches Thema ist, ist mir durchaus bewusst. Und das man sich damit parteiintern die ggf.Finger verbrennt ist ist mir auch klar.Und von schnell war nirgends die Rede und schon gar nicht von Wunden !! So etwas sollte sehr Gewissenhaft ausgeführt um halt wirklich bei den Fakten zu bleiben.
Das Thema Stasi, so schreibt ihr zumindest, ist bisher in der SVV nie wirklich zur Sprache gekommen … Scheuen sich die “etablierten” Lokalpolitiker davor ? Hat man Angst den geneigten Wähler zuverprellen ?
Ich sehe für meinen Teil, wenn der alte Kader nicht will, die Verantwortung bei den Nachwuchspolitikern. Sie sind/sollten unbelastet mit diesem Thema umgehen können. Natürlich wird es dafür Schelte aus allen Ecken geben … aber Philipp Mißfelder steht ja auch zu seinen Aussagen ( http://tinyurl.com/d9qtzt )
@Stefan: die Regel ist mir neu …
http://tinyurl.com/adpy4f
hab aber hier tolle Blogregeln gefunden
off topic:
Pixel, ich hoffe, dass ich deinen Verweis auf Mißfelder falsch verstanden habe. Denn mit erfreulicher Standhaftigkeit hat das nichts zu tun. Was Mißfelder macht, ist schlicht populistisch. Der wollte elitäre Stimmungen bedienen – und da hat er die Schwachen der Gesellschaft instrumentalisiert. Dass Mißfelder inhaltlich völlig daneben liegt, bedarf keiner weiteren Erläuterung; wer jemanden Arbeitsloses kennt, weiß das genau!
Ich jedenfalls verurteile Mißfelders Verhalten auf’s Schärfste. Ich bedauere es sogar, dass dieser Name nun in unserem Blog steht – und dass auch noch bei einem Eintrag, in dem es um Redlichkeit geht.
20 Jahre nach dem Mauerfall, fehlender Sensibilisierung und mangelnder geschichtlicher Ausbildung in der Schule könnte es schwer werden, die Jugend in die Verantwortung zu nehmen.
Danke René für deine Ausführung… bleibt mir der miese Mißfelder erspart.
Ich fand den Artikel richtig interessant. Insbesondere die Auflistung der Spitzel in den jeweiligen Straßen. In meiner waren damals also 3 tätig. Ich würde nur zu gerne wissen wer das war. Vielleicht ein Nachbar, oder der Vater eines Schulfreundes aus damaligen Zeiten!? Mit 10/11 Jahren in der Wendezeit werde ich ja wohl noch keine Akte haben, woraus man dieses erlesen könnte. Was da damals gelaufen ist, ist echt schlimm. Dennoch find ich es aus heutiger Sicht äußerst interessant über den damaligen Alltag mit der Stasi zu lesen oder davon zu hören. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sicherlich die alten Netzwerke nach der Wende noch einige Zeit weiterfunktioniert haben und die größten IM´s auf schönen Pöstchen im neuen System untergekommen sind.
Gut, das Thema Mißfelder sollte separat diskutiert werden …
@Martina: jetzt machst Du es dir aber auch leicht. Alles nun auf 20 Jahre nach dem Mauerbau und auf miserable Schulbildung abzuwälzen ist dolle einfach … Schau mal ich war 16 bei Mauerfall und kann mich gut an Stasimethoden erinnern, Stephan prangert es hier in eurem Blog ebenfalls an. Du Martina, bist ebenfalls jugendlich
und interessiert dich auch für das Thema, also ist doch Hopfen und Malz nicht verloren. Wenn ich mir aber die Lokalparteihelden anschauen drüben beim Platzhirschen, dann hab ich manchmal zweifel… Da kommt wirklich nur noch populistisches Gedöns… Warum geht da niemand mal ran an das prekäre Thema???
@blumy: die sogenannten Netzwerke haben nicht nur noch einige Zeit weiter existiert! Sie existieren noch immer und sie feiern sich sogar noch selber.
“Gut 60 Ex-Chefs und Mitarbeiter der Stasi haben eine Tagung über die Arbeit der DDR-Auslandsspionage (“HVA”) im dänischen Odense zur umfassenden Rechtfertigung ihrer Aktivitäten genutzt. “Als blöden Scherz könnte man sagen, dass das für uns ein Betriebsausflug der HVA ist”, sagte Jürgen Strahl, Ex-Stasi- Hauptmann und Anwalt, gestern am Rande der Veranstaltung. Völlig im Ernst rechtfertigte er vor den rund 250 Teilnehmern der Konferenz die letzte Hinrichtung in der DDR 1981, als der Stasi-Mann Werner Teske wegen Westspionage zum Tode verurteilt wurde: “Haben Sie den Stauffenberg-Film nicht gesehen? Wer Verräter ist, erschießt sich selbst oder wird erschossen.”
[Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/11/19/817799.html ]
Ich mache es mir nicht einfach, ich sehe es nur realistisch.
a) Mir ging es um den Mauerfall, nicht um den Bau jener. 20 Jahre sind eine lange Zeit, erst Recht, wenn ein Thema so kompakt ist. Wie durchdrungen die DDR von der Staatssicherheit war, kam erst nach und nach heraus und das auch nicht wirklich auf Seite eins der Tageszeitungen. Schau dir mal an, wie mit den Opfern umgegangen wird und was die Täter heute machen (kleiner Tipp: Fahr mal nach Hohenschönhausen)
b) Ich habe nicht über ‘miserable’ Schulbildung geschrieben, sondern angemerkt, dass die DDR im Schulalltag z.Z. wenig Beachtung findet. Das ist ein großes Problem und auch mit verantwortlich dafür, dass das Thema schwer angepackt werden kann.
c) Bin ich zwar noch relativ jung und interessiere mich für das Thema, allerdings werde ich mich hüten, mich mit irgendwelchen alten Genossen auseinander zu setzen.
(a) opps da war ich zu schnell .. ich meine natürlich den mauerfall
und ich brauch nicht nach hohenschönausen fahren .. ich brauch bloss in meine eigene familie schauen :-[
(b) ich zitiere “…mangelnder geschichtlicher Ausbildung in der Schule…”
das ist für mich miserabel :-/
(c) aber du interessierst dich
ich sag doch, die hoffung stirbt zuletzt ….
Ich meinte nicht das Stasigefängnis, sondern den Stadtteil an sich. Denn bei dem Thema hier geht es ja um die Täter, nicht um die Opfer. Sei es drum.
Aus “mangelnder geschichtlicher Ausbildung in der Schule” machst du eine miserable Schulbildung; das geht für mich nicht.
Aber, das letzte Wort darf auch hier an dich gehen, also – bitteschön!
Ich glaube wir schweifen vom Thema ab … Es ging um die SVV und das Thema Stasi. Ok, miserable Schulbildung ist etwas weit gegriffen wenn es nur um Geschichte geht…
Auf das letzte Wort hab ich keine Bock, da ich bei dir so etwas wie versteckten Sarkasmus entdecke… War nett bei Euch…
ich meld mich doch noch mal hier obwohl ich nicht wollte aber drübe beim platzhirsch hab ich grad die meldung gelesen, dass nun doch ein antrag eingereicht wurde
find ich gut!!
@falki: dein blog bewegt
…und siehe da, die üblichen verdächtigen sind dagegen…
http://www.meetingpoint-brandenburg.de/brbnews/article.php?article_file=1237284766.txt
so… gestern war ich ja in der svv .. und die abstimmung … naja lest selber drüben beim platzhirsch … ich bin enttäuscht !!!!
@ Pixel
Hast du etwa allen Ernstes ein anderes Ergebnis erwartet?
Gerade eben eine – wacklige – Mehrheit / Zählgemeinschaft / Syndikat / Kartell ??? in der SVV und durch eventuell unschöne Fakten aus der Vergangenheit alles wieder flutsch und weg??? Das gerade die Kommunisten und Alfredo “Ich muss alles hinterfragen” Förster dagegen waren ist nicht wirklich überraschend und eher bezeichnend, doch das Stimmverhalten gewisser, uns persönlich bekannter Personen macht mich nachdenklich…
Dumm nur, das WIR uns in 20 Jahren anhören müssen, warum wir die Vergangenheit nicht vernünftig aufbereitet haben…
History repeating…