Ibertsberger und Janker, zwei Hoffenheimer Fußballspieler, droht eine Mindeststrafe von einem Jahr Spielverbot. Der Grund: Entegegen den klaren und beiden Spielern bekannten Regeln, sind die beiden nach dem Spiel in Gladbach nicht direkt zum Dopingtest gegangen, sondern waren noch zehn Minuten in der Kabine zur Mannschaftsbesprechung.
Um es kurz zu machen: In zehn Minuten kann man, gerade in der Kabine eine Menge anstellen, um einen anstehenden Urintest zu manipulieren. Profi-Radfahrer (speziell Manzano) haben dies in aller Ausführlichkeit berichtet. Demnach haben die beiden Hoffenheimer Regeln missachtet, die in ihrer Strenge berechtigt sind.
Unerträglich finde ich das konzertierte “Es waren doch nur zehn Minuten!” der Bundesliga-Manager von gestern und vorgestern. Noch schlimmer war es gestern im Doppelpass beim DSF. Der dort gegebene Hinweis, die Proben hätten doch gezeigt, dass die beiden Spieler sauber seien, ist lächerlich. Denn: Die Proben sind nichts wert, sie geben keine verlässliche Antwort auf die Frage, ob gedopt wurde. Die beiden Spieler sind nicht vom Platz zur Probe gegangen – und damit ist gerade nicht sicher, dass die Spieler in dem Zustand überprüft wurden, in dem sie auf dem Platz standen.
Dass Völler, Beiersdorfer, Meier, Rangnick und wie sie alle heißen nun so viel röhren, zeigt nur eines erneut: Die Fußball-Branche meint, über allen zu stehen, unangreifbar und unbesiegbar zu sein. Das erinnert wiederum sehr an die Affäre Weinreich. Der DFB und die hörigen Medien (z.B. DSF) sind eben knallhart, wenn es um die Verteidigung ihres Produktes geht.
Das alles erinnert mich stark an den Radsport. So, wie Völler, Lattek, Wontorra, Rangnick usw. sprechen, haben vormals auch die Leute gesprochen, die den Radsport zerstört haben. Und Radsport gucke ich schon längst nicht mehr, wie es viele andere auch tun. Also sollten sich die Fußballmächtigten ernsthaft überlegen, wie sie mit dem Thema Doping umgehen. Noch können sie klar dagegen vorgehen, noch haben sie es in ihrer Hand. Die Zeit der Razzien hat noch nicht begonnen.
Hierzu auch sehr lesenswert: einmal ein Beitrag von catenaccio und zum anderen einer von dogfood bei aas.
Verwandte Artikel:
- Neues vom Randgruppensport // Doping Fanny Fischer, Olympiasiegerin und Nichte von Mehrfach-Olympiasiegerin Birgit Fischer, hat was zu sagen. Fanny Fischer weiß, wovon...
- Büchertipps: Aufbau der DDR und Homophobie im deutschen Fußball Autor: René Update: Aus aktuellem Anlaß möchte ich darauf hinweisen, dass die Debatte Zwanziger ./. Weinreich heute...
- Hopp, FC Pils und die Experten Autor: Stephan Guten Abend, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, niemals über den den sonntäglichen Doppelpass auf DSF...
- Gebt dem Kaninchen eine Möhre extra! Autor: René Heute möchte ich eine kleine Anekdote über Berti Vogts erzählen. Ausgangspunkt ist Vogts’ Gast-Auftritt im...
- Rückblick auf die Bundesliga Autor: René Die Hinrunde der Bundesliga ist vorbei – und somit ist es Zeit zu schauen, was...
Da die beiden Herren sicher nicht zum 1. mal zur Dopingprobe mussten und das Prozedere auch für Hoppenheim nicht neu ist, da vielfach praktiziert, gibt es in meinen Augen auch keine Entschuldigung. Die Mindeststrafe von einem Jahr Sperre ist nicht umsonst so hoch angesetzt und soll entsprechend zur Vermeidung solcher Vorkomnisse beitragen. Ob sie dabei gedopt waren oder nicht ist für die Weltdopingagentur dabei unerheblich. Diese Schönrederei “es waren ja nur 10 Minuten” die derzeit seitens des DFB läuft ist in meinen Augen das falsche Signal im Kampf gegen Doping und öffnet Tür und Tor. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob dieses aktuelle Schöngerede in dieser Form auch bei einem Verein stattgefunden hätte der eine geringere Lobby als der mit dem DFB verwandte Club aus Sinsheim hat, Cottbus z.B. oder Bochum. Ich denke eher da da würde es umgekehrt laufen: “Regeln sind da um eingehalten zu werden und da ein Verstoß vorliegt, folgt die entsprechende Strafe”.
Der Kommentar ist der Beste, den ich bisher zum Thema gelesen habe. Es gibt immer noch viel zu viele “Fachleute”, die der Meinung sind, Fußball habe mit Doping nichts zu tun und man habe das Problem im Griff.
Eine Bestrafung der Verantwortlichen wie im Regelwerk festgeschrieben (und von ihnen wie von ihrem Verein meines Wissens schriftlich vor Saisonbeginn akzeptiert) ist wichtig, um die Glaubwürdigkeit beim Kampf gegen Doping im Fußball einigermaßen aufrecht zu erhalten. Wer diese Verantwortlichen sind, ist die eigentliche Frage. Nach meiner Meinung nicht nur die Spieler, sondern auch die Betreuer, vorn voran der nun so naiv tuende Trainer Rangnick.
Wie diese Bestrafung auszusehen hat, möchte ich mich raus halten. Bin Gladbach-Anhänger
Nur eines, weil es ziemliche Kritik dazu hagelt: der Einspruch musste sein. Wenn es Bestrafungen gibt und Borussia hätte keinen Einspruch eingelegt, wäre der Verein für die b*ld der “der Deppenverein der Liga”.
@ Blumy
Genau so ist es. Weil die beiden die Regeln kannten, kommt zu dem objektiven Regelverstoß noch dazu, dass sie für den Verstoß im Hinblick auf die Vorwerfbarkeit verantwortlich sind.
@ Winfried Vorbeck
So habe ich das mit dem Einspruch noch gar nicht gesehen. Das ist ein interessanter Aspekt. Und ich finde auch, dass diese übertriebene Naivität von Rangnick einem Bundesligatrainer nicht gut zu Gesichte steht.
Ich kann Galdbach verstehen und begrüße den Schritt. Die Verantwortlichen von Gladbach müssen im Sinne ihres Vereins handeln und da hat Gladbach wohl momentan nichts zu verschenken. Alle die sich momentan über Gladbachs Handeln aufregen würden dies nicht tun wenn ihr Verein in der Situation wäre auf jeden Punkt angewiesen zu sein. Außerdem ist Borussia Mönchengladbach eine Fußball GmbH (Kapitalgesellschaft), dessen Geschäftsführer ist nach geltendem GmbH Recht dazu verpflichtet alles Schädliche vom Unternehmen fern zu halten. Wenn er das nicht tut hat er neben einem Problem mit den Vereinsmitgliedern auch das Risiko für einen möglicherweise entstehenden Schaden selbst zu haften.
@Winfried… Samstag bleiben die 3 Punkte dennoch in Berlin.
Für den Rest der Saison aber alles Gute und viel Erfolg beim Klassenerhalt.
@Winfried Vorbeck // René
genau an diese naivität glaube ich nicht. ich halte es für vorsatz.
tipp:
http://angedacht.wordpress.com/2009/02/23/wie-naiv-kann-man-sein/
Ich kann mich noch an die T-Shirts der Moderatoren und Fußballspezialisten der WM erinnern und dort stand ganz dick drauf: Keine Macht den Drogen
Leider geben immer mehr dem Erfolgsdruck der Leistungsgesellschaft nach, so wohl jetzt in Hoffenheim geschehen. Sie sind in der Hinrunde geradezu geflogen, jetzt hat es nicht mehr so gut geklappt und möglicherweise haben dann 2 nachhelfen wollen…
Ich verstehe Gladbach und ich bin für sauberen Sport! Aber der Tabellenführer ist und bleibt (hoffentlich) der HSV
Bundesliga: Von Doping, Schuhwerfern und sieglosen Rekordsiegern - Niveau ist keine Creme // 24.02.2009 um 13:09 Uhr
[...] beiden zu spät zur Dopingprobe. Nur zehn Minuten wie die Polemiker des DSF-Doppelpass gerne betonten, immerhin zehn Minuten wie alle Menschen mit intaktem Großhirn dagegenhalten. Spätestens [...]
@ meine Vorredner
Sehe das genau wie Ihr! Die WADA, NADA und der CAS haben zur besagten Problematik eindeutig Stellung genommen. Wer nicht SOFORT zum angeordneten Probe-Pullern zur Verfügung steht macht sich verdächtig / strafbar. Zwei italienische Profis haben aus diesem Grunde ja erst vor Kurzem einen 1 jährigen Sonderurlaub bekommen.
Das Absurde ist die von Euch bereits angesprochene Komminukation innerhalb der Liga, a la “waren doch nur 10 Minuten” oder “was hat das mit dem Spiel zu tun?”. Sehr viel und ALLES!!!
Regeln sind da, um eingehalten zu werden – jaja, 3 € ins Phrasenschwein – hätten wir jetzt das Thema bei Cottbusser, Karlsruher oder Bochumer Spielern würden wir diese Diskussion nicht führen, die hätten halt Pech und waren zu doof sich an die Regeln zu halten…
Herr Rangnick merkt doch sonst immer alles was die guten Hoffis beeinträchtigen könnte, das er diese Regel nicht kannte bzw. als Argumentation heranführt, dass das in der ganzen Liga so gehandhabt wird und die Dopingfahnder in anderen Fällen explizit die Kandidaten nochmal zum Umziehen und Duschen in die Kabinen geschickt hätten… Oh je, Ralf, Ralf, Ralf merkst du eigentlich, dass du gerade 5 Jahre alt und bockig bist, weil du im Kindergarten nicht den Kipper zum spielen bekommen hast – willkommen in der ersten Liga.
Wie hat mal ein geliebt, geschätzter und gehasster BuLi – Manager gesagt: ” Dem Herrn Rangnick bekommt die Aufmerksamkeit und Höhenluft zur Zeit nicht, damit kann er nicht umgehen…!”