Teil 2
Weiter geht’s mit dem zweiten Teil.
Wir machen bei der Straßenbahn weiter. Da ich nicht davon ausgehe, dass sich jemand in der Stadt durchringen kann, meine im ersten Teil aufgestellte These zu unterstützen, suche ich weiter nach Alternativen. Etwas ganz Wichtiges haben wir meines Erachtens völlig außer Acht gelassen. Gegenüber vom Hauptbahnhof, hinter der jetzigen berüchtigten Straßenbahnhaltestelle, soll der Stadtraum völlig neu sortiert werden. Der nicht besonders einladende Plattenbau wird abgerissen. An seiner Stelle sollen, mehr Richtung B 1/102 gerückt, Neubauten entstehen. Ein drittes Baufeld soll auf dem jetzigen wilden Parkplatz westlich des Plattenbaus zur Verfügung gestellt werden. Zu den einzelnen Bauvorhaben kann/möchte ich mich nicht äußern, da ich abhängig beschäftigt bin bei einem dort möglicherweise involvierten Investor.
Etwas anderes treibt mich dennoch um: In unserer Stadt legt man äußersten Wert auf die Schließung der historischen Stadtkanten. Dies kann oftmals sinnvoll sein, aber manchmal wurde diese Philosophie einfach nur überstrapaziert. Im Bereich des Hauptbahnhofs/Große Gartenstraße ist diese Stadtkante enorm beschädigt. Manifestiert wurde dies mit der Errichtung des benannten Plattenbaus und der Einschleifung der Straßenbahn. Insbesondere durch die Wegeführung der Straßenbahnschiene ist eine Schließung jener Stadtkante nahezu ausgeschlossen. Hab’ ich was verpasst? Wo sind bei der Diskussion zum Hauptbahnhof die Lobbyisten der Stadtkante? Bitte melden! Diesmal bin ich bei euch. Ohne Mist, genau an dieser Stelle könnte ich mir eine Reparatur des Stadtraumes außerordentlich gut vorstellen. Die Neubauten könnten bis an die B 1/102 rücken und alles wäre wieder schick. Aber ich irre. So schnell kann man die Straßenbahn nicht wegplanen.
Eventuell gäbe es doch eine Möglichkeit, sich in der Mitte zu treffen. Die Stadtkante wird nach wie vor geschlossen, jedoch wird die Straßenbahn schnurstrackts einspurig über die B 1/102 vor den Bahnhof geführt. Die Idee dabei ist, einfach einen Pendelverkehr für die Straßenbahnbenutzer einzuführen. Der Pendler würde dann die Fahrgäste einladen und direkt in die City chauffieren. Dort können dann die begeisterten Touristen aussteigen und der Rest verteilt sich über Umsteigebeziehungen in andere Bahnen. Dies könnte im Bereich der Steinstraße oder im vorderen Teil der Hauptstraße geschehen. Die Variante Steinstraße hätte den Charme, dass dort endlich verkehrstechnisch eine vernünftige Lösung gefunden werden kann. Die jetzige Zwitterlösung zwischen Auto, Straßenbahn, Fahrrad und Shoppen ist einfach nur unsäglich. Wer allerdings die eierlegende Wollmilchsau sucht, und davon gibt es in BRB viele, wird auch mit dieser Variante nicht glücklich. Der Brandenburger müsste ja umsteigen! Unmöglich!?
Ich sehe noch weitere Vorteile. Neben der reparierten Stadtkante am Hbf und einer intelligenten Lösung in der City sehe ich Folgendes: Irgendwann, wenn andere Kommunalpolitiker Verantwortung tragen, die nostalgische Generation in Bezug auf die Straßenbahn ausgestorben ist und BRB sich bei ca. 63.000 Enwohner eingepegelt hat, wird über den Sinn und Zweck der Straßenbahn neu zu diskutieren sein. Ich schätze mal in 15-20 Jahren. Dann wird sicher weniger emotional diskutiert werden und eventuell wird man es dann der jetzigen Generation danken, ein Stadtquartier nicht um einen Haufen fahrbaren Stahls geplant zu haben.
Der derzeitige Planungsstand der Stadt und die Diskussionsgrundlage der Kommunalpolitiker zeigt davon derzeit noch nicht viel.
Als Argumentationshilfe für die Verfechter der Planungslösung der Stadt: Bemüht euch doch endlich mal, vergleichbare Lösungen in anderen Städten zu finden. Wir sind nämlich nicht die ersten auf der Welt, die ihren Bahnhofsbereich umstricken. Schaut mal weiter südlich nach Leipzig, Willy-Brandt-Platz. Dort hält die Straßenbahn direkt gegenüber vom Hauptbahnhof (!), hinter einer vierspurigen Straße (!). Und das Beste an dieser Lösung ist – es klappt! Und zwar dermaßen gut, dass täglich mehrere Zehntausend Menschen zum Shoppen in den Bahnhof (ca. 150.000 Fahrgastaufkommen pro Tag) gehen, genau über diese beiden Fußgängerüberwege.
Die Diskussion ist eröffnet!
Verwandte Artikel:
- 14776 BRB Hauptbahnhof // Teil 1 Teil 1 In Brandenburg an der Havel wird derzeit verbissen die Debatte darüber geführt, wie der Bereich...
- BUGA 2015 in BRB // Aus der Traum? So fing alles an: Mit der BUGA 2015 in der Havelregion wird in der über 50-jährigen Geschichte...
- Ankündigung Live-Blog // Konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg an der Havel nach der Kommunalwahl // Tagesordnung Archiv Live-Blog...
- Förster beschwert sich. Ich mich auch! Heute hat sich Alfredo Förster von Die Linke über eine Einladung der OB zu einem ökumenischen Gottesdienst...
- Nachbetrachtung gestrige SVV // The Winner Takes It All // Fragen über Fragen Autor: Stephan Wer fragt, bekommt eine Antwort. Deshalb beantworte ich mir meine Fragen selbst. Fragen vom 21.10.08...
14776 BRB Hauptbahnhof // Teil 1 | BrandenBlog.com // 04.01.2009 um 17:17 Uhr
[...] 14776 BRB Hauptbahnhof // Teil 2 [...]
Was genau ist so schlimm daran, die Tram vor den Bahnhof zu ziehen? Dass dies (mehr) Geld kostet? Das dürfte als Argument nicht genügen. Immerhin bringt es gerade den Pendlern, von denen wir in Brbg ja wohl viele haben, eine Menge: nämlich einen Gewinn an Zeit und Sicherheit. Und letztlich wird der Bahnhof ja in erster Linie für die gemacht, die ihn nutzen. Also ist doch die Frage, ob Nutzen deutlich hinter Kosten zurück bleibt. Wenn ich Potsdam mit Brandenburg vergleiche muss ich sagen: Die Variante in Potsdam ohne doppelspurige Straße dazwischen ist deutlich attraktiver, weil eindeutig sicherer!
Was dein Hinweis auf Leipzig betrifft: Da habe ich, wenn ich das Bild sehe, den Verdacht, das wurde gerade deshalb gemacht, weil die ganze Gleisanlage nicht zwischen Straße und Gebäude gepaßt hätte. Der Vergleich könnte also hinken.
Ach ja: Und die Idee mit der Pendelbahn finde ich blöd. Gerade die Pendler dürfte der Zeitverlust abschrecken, was ich vor und nach acht Stunden Arbeit und Zugfahrt verstehen kann. Manch einer würde sicher dann wieder da Auto nehmen. Und Autos verschandeln unsere Stadt eindeutig stärker als die paar Straßenbahnen. Und ökologisch bedenklich wäre die Folge zudem.
Die Straßenbahn abzuschaffen ist völliger Irrsinn!
Oder willst du, dass Busse durch die Hauptstraße fahren? Also ich nicht!
Die Bahnen von Brandenburg fahren zu 2/3 auf eigenen Bahnkörpern und sind so stauunabhängig…mit Bussen steckt man mittendrin!
Zudem würden für den Zeitrum über 2020 hinaus neue Straßenbahn benötigt die sicher noch leiser und komfortabler sein werden.
Viele Städte in Westdeutschland bereuen heute das sie damals ihre Trambahnen eingestellt haben und versinken im Verkehrchaos…z.B. Hagen!
@randy
mit bussen in der hauptstraße hätte ich kein problem.
das 2/3 argument ist gut. nur wo befinden sich diese eigenen “bahnkörper”? in der gördenallee, bebel-straße, saefkow-allee, magdeburger land, hohenstücken… da kommen schnell mal 2/3 vom streckennetz zusammen. und dort ist locker platz für schöne haltebuchten für die busse. dort wo es eng wird steht mir die bimmelbolle eh schon jetzt vor der latichte rum.
ich hab so den leisen verdacht, dass die anschaffung von straßenbahnen teurer ist als die von bussen. auch wenn man natürlich mehr busse benötigt. vom unterhalt (gleisbett etc.) gar nicht zu sprechen.
hagen hat fast 200.000 einwohner. keine frage, je größer die stadt, desto schneller rechnet sich die straßenbahn. brb hat derzeit noch 74.000 einwohner. ich glaube mal irgendwo gehört zu haben, so ca. ab 100.000 einwohner wird die straßenbahn wieder interessant.
was mich in dieser stadt stört, ist die teilweise hemmungslose anspruchshaltung. hatten wir schon immer, wollen wir also auch für immer behalten! diese einstellung versperrt oft den blick für die richtig guten (nachhaltigen) lösungen.
grüße
du nennst den Bus nachhaltig?
Also das is nen Schritt in die falsche Richtung…den Schritt gabs schon einmal Ende der 60er Jahre und stellte die Tram zur Planebrücke ein, was bis heute als Fehler gesehen wird.
Und du wirst es nicht glauben aber die Straßenbahn hat sogar noch Potenzial!
Brandenburg-Nord sowie Eigene Scholle.
Und das Argument mit 100 000 Einwohner mag vielleicht stimmen, nur selbst Dessau, dass unter 80 000 Einwohner hat, baute vor einigen Jahren seine Straßenbahn weiter aus trotz Einwohnerschwund.
Es mag immer Pro und Contra geben, aber die Straßenbahn aus Brandenburgs Straßen einfach verschwinden zu lassen, wäre ein großer Fehler der für folgende Generationen in unserer Stadt sicher Probleme mit sich bringen wird.
Denn auch wenn die Einwohnerzahl zur Zeit sinkt, steigen wird sie in Zukunft sicher wieder.
Und dann ein unabhängiges Verkehrssystem zu konstruieren, ohne die heute existierenden Trassen der Trambahnen, wird sicher zum Problem.
grüße
Also zu diesem Text kann man echt gar nichts mehr sagen – Der allerletzte Schwachsinn!!
Das die CDU nicht denken kann – ist bekannt. Das die CDU die Straßenbahn abschaffen will, ist mehr als bekannt. Das die CDU meines Erachtens wieso nur noch Gülle labert, ist auch bekannt.
Wenn man von den Kosten spricht, ist eine Straßenbahn gegenüber einem Bus billiger. Zum Beispiel braucht ein Bus so alle 2 Jahre eine Hauptuntersuchung und eine Straßenbahn braucht erst ab 4 Jahre eine Hauptuntersuchung. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied, wenn man mal davon ausgeht, dass Brandenburg 30ig Busse besitzt – gegenüber 20ig Straßenbahnen!
Das sich eine Straßenbahn erst ab 100.000 Einwohner rechnet, kann man schnell vergessen. Das vieeeeeeeeeel kleine Nordhausen und das noch vieeeeeeel kleinere Halberstadt haben ihre Straßenbahn behalten – trotz sinkender Einwohnerzahl.
Nun ist ja die CDU in Sachen “rüberschauen zu anderen Städten” nicht gerade positiv zu erwähnen.
Zum Beispiel will man am Bahnhof ein Parkhaus für 4 Mio. Euro errichten – dieses Parkhaus kann nicht gefördert werden, also muss man es selber bezahlen. Ein Parkhaus ist unsinnig, da im Bahnhofsumfeld doch recht viel Platz ist (die CDU sieht dies natürlich nicht – hat ja keinen Durchblick wie andere…).
Die Straßenbahnverlegung kostet 1,5 Mio. (grob gerechnet) und kann gefördert werden, also die Stadt zahlt nicht mal alles!!
Auch zur Überlegung am Bahnhof:
Die CDU meint, wenn dort Schienen liegen, muss man den Busbahnhof irgendwo anders hinbauen. WIESO?? Im 21 Jahrhundert sollte schonma aufgefallen sein, dass man Straßenbahn- und Bushaltestelle miteinander kombinieren kann.
Auch wird gerne behauptet, dass man (wenn die TRAM auf dem Bahnhof fährt) sich vorsichtig bewegen muss. HALLO??? Das muss man auch, wenn ein Bus auf dem Bahnhofsvorplatz fährt!!
Außerdem hat keiner gesagt, dass die Bahn ab 2020 eingestellt wird. Es wurde gesagt, dass der Erhalt bis 2020 angestrebt bzw. garantiert wird – von Einstellung (die dann aber doch danach kommt) war nicht die Rede!
Außerdem befördert die Brandenburger Straßenbahn, mit ihren 4 Linien, ca. 1 Mio. Fahrgäste mehr, als der Bus mit wesentlich mehr Linien. Schon komisch. Auch fährt die Brandenburger Straßenbahn zu 2/3 auf eigenen Gleiskörper (für die CDU-Genossen: eigener Gleiskörper heißt, dass die Bahn nicht auf einer Straße verkehrt!).
Viele Städte (besonders Westdeutsche) haben damals ihre Straßenbahn abgeschafft und bereuen diesen Fehler bis heute – vor allem in Zeiten steigener Energiepreise!
Damit,
nette Grüße
@ Ron
Wir Brandenblogger diskutieren gerne. Was wir aber nicht mögen sind verbale Entgleisungen. Wendungen wie “Schwachsinn” oder “Gülle labern” sind niveaulos und hier unerwünscht! Niemand soll (bei allen gern gesehenen Sachargumenten) persönlich herab gewürdigt werden. Bitte beim nächsten Mal daran halten.
genau! und was bitte schön bedeutig 20ig oder 30ig ?? ^^
Wir Brandenblogger wünschen uns auch keine Provokationen. Bitte beim nächsten Mal daran halten, Pix. Danke.
edit: hab mich gelöscht :-/