Autorin: Martina
Es ist wieder so weit! Das allergrößte, megageilste, wunderbarste, einzigartigste Ereignis unserer Stadt steht kurz bevor. Die so genannte “Weihnachtsmannparade” wird nächsten Samstag durch unsere City ziehen… und ich gehe nicht hin! Nein, nada, nix da! Dafür bin ich mir dann doch zu schade. Auch wenn ich meine Stadt liebe und Vieles ertragen kann, diesem Größenwahn werde ich mich nicht anschließen.
Der Stimmungmacher unserer Stadt, André Ecki Eckhardt, hat sich da vor zehn Jahren etwas ganz Feines einfallen lassen, nein falsch: Er hat etwas erfunden! Man nehme alle Autohäuser der Stadt, dazu noch die Verkehrsbetriebe mit ihren historischen Straßenbahnen und den Trabbi-Klub, sowie alle Freiwilligen Feuerwehren Brandenburgs und Umgebung (und ich meine wirklich ALLE!). Pünktlich zur Adventszeit schmücken sie dann ihre Mobilitäten etwas hübsch, setzen sich die Weihnachtszipfelmütze auf, springen auf ihre Karren und ziehen dann durch die Innenstadt. Mehr laut als leise. Mehr einfältig als vielfälig. Mehr Ramba-Zamba als Stille Nacht, heilige Nacht. Mehr sommerliches Mallorca als winterliches 1000-jähriges Brandenburg… und natürlich gesponsert; das darf nicht fehlen. Nicht nur von einem Autohaus à la Eckis erster Wahl, sondern auch mit Geldern aus dem Etat der Stadt. Natürlich schauen auch ganz viele Promis vorbei, ist doch die Parade (wie oben erwähnt) das allergrößte, megageilste, blablabla… So werden dieses Jahr neben der Oberbürgermeisterin (die sich wohl auch für nix zu schade ist) eine Kanutin, eine Sumoringerin, ein Transvestie-Künstler, eine ehemalige Radio-Wetter-Tante und viele andere witzige wichtige Menschen mit von der Partie sein. Heißa, was für ein Spaß!
Zur Krönung und zum 10. Jubiläum gibt es dieses Jahr sogar einen Song, genauer gesagt: Die Hymne! Der Weihnachtsmannparadensong (Insider sagen kurz und knapp: WMP-Song), vom Super-DJ Lessentin, den wohl nach einer durchzechten Glühweinnacht alle guten Geister verlassen haben müssen. Wie sonst kommt man auf so etwas Schräges? Ich zitiere: “Wir feiern heute und jetzt grade die zehnte Weihnachtsmannparade”, mit rhythmischer Umrahmung eines Wolfgang Wolle Petris. Ich fasse es nicht, ich bin sprachlos und ja: Ich schäme ich! Ich werde diesen Song nicht verlinken, ich traue mich nicht!
Was bleibt mir als Brandenburger Meckerkopp? Sich das ganze schönsaufen ist die letzten Jahre fehlgeschlagen und leider wird dieses kleine Blogartikelchen nichts daran ändern, dass nächsten Samstag die Wagen wieder rollen werden… So werde ich an diesem Tag stolz auf mich sein, dass ich nicht jeden Scheiß mitmache, um meine Stadt zu supporten. (Achtung, jetzt wirds pathetisch!) Ich werd ganz traditionell und kleinbürgerlich ab 16 Uhr Frank Schöbels Weihnachten in Familie hören, ein paar Kerzen anzünden, Plätzchen auftischen und das zweite Adventswochenende gemütlich im mollig warmen Wohnzimmer verbringen; denn Weihnachten ist laut Wikipedia das Fest der Geburt Christi – und nicht des Größenwahns.
Keine verwandten Artikel.
nun gut. du kennst meine meinung. auch ich würde diese feieraffen gerne aus der stadt treiben.
was soll ich am samstag machen? in ein hotel ziehen? die fenster zu mauern? mit freunden und bekannten brechen? hilft alles nix. also raus auf die terasse und sich so seine gedanken machen. das kann auch eine art der aufarbeitung sein.
manchmal bleibt einem keine wahl. ich glaube die OB hatte keine wahl. du wirst antworten, doch man hat immer eine. glaub mir, ich kenne diese strukturen. dieses obflächliche – ich umarme jeden – getue, welchem man sich oft nicht entziehen kann, ist der anfang… vom ende? nein. aber letztendlich kommt dann sowas bei raus, obwohl man sich innerlich gegen sträubt.
was auch nervt, ist dieses permanente bemühen von superlativen. 100.000 besucher werden erwartet (geballt in 2 stunden!). klar. nächstes jahr 150.000? auch kein problem.
ne ne. wir haben ja oft die möglichkeit ausverkaufte fußballstadion zu besuchen. da sieht man dann, was man für eine infrastruktur braucht. wir in BRB sperren einfach ein paar straßen, leiten diese komische straßenbahn um und bingo! 100.000 leute stehen in der haupt- und ritterstraße. die sollen anderen die taschen voll hauen! komische leute…