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Die Generalisten aus Brandenburg an der Havel. Für nix zu schade!

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Über Bäcker // Oh, Champs-Élysées

28. Oktober 2008 von Stephan · 3 Kommentare · Brandenburg, Die Generalisten, Schöne Orte

Autor: Stephan

Die Hauptstraße in Brandenburg an der Havel ist so was wie der Champs Élysées meiner Heimatstadt. Was einen hier erwartet bzw. nicht, besagt eigentlich schon der Name: Hauptstraße. Nun gut. In den letzten Jahren hat sich shoppingtechnisch einiges zum Guten gewendet. Ansonsten verhungert man als Fußlahmer nach wie vor in der City. Das wird sich wohl erst im August 2009 ändern, wenn die Sankt-Annen-Galerie eröffnet wird (DT noch mal vielen Dank!). Bis dahin heisst es wohl entweder hungern oder raus in die Peripherie zum Einkaufen. Es sei denn, man ernährt sich von Brot, Brötchen und Liebe, womit wir beim Thema wären.

In der Hauptstraße drängeln sich derzeit die Bäcker um die Gunst der Kunden. Wie sie sich dabei anstellen ist erbärmlich. Aber von vorne…

Die Bezeichnung Bäcker ist eigentlich unsauber gewählt. Vielmehr sind es klinische Backshops, wie wir sie im globalisierten Deutschland an jeder Ecke finden. Globalisierung! Der erhobene Finger der Linken! Alles blöd! Scheiße wat! Wenn die Betreiber ihre Personalführung so konsequent umsetzen würden, wie das eigentliche Shopkonzept, würde fast niemand hinterm Tresen stehen. Ich würde sie rausschmeißen! Ich möchte einfach nur als Kunde behandelt werden. Nicht als Nichts. Nicht als Idiot. Nicht als Tauber, Blinder oder Begriffsstutziger.

Es fängt an, wenn man sich von Osten in die Hauptstraße hineinbewegt. Bäcker Steinecke. Falsch! Café Steinecke. EIGENTLICH MÜSSTE das mein Bäcker sein. Günstig gelegen und die Produkte auch so lala, ich könnte damit leben. Womit ich nicht leben kann sind diese ignoranten Bedienkräfte mir gegenüber. Ganz schlimmes Kino. Ich denke oft, dass diese Damen von mir einen Jubelschrei erwarten, wenn sie sich bemüßigen, ihre faulen Hintern nach vorne zum Service zu bewegen. Dann wird oftmals mit arroganter Miene von mir noch ein “Guten Tag liebe Bedienkraft, darf ich bitte bei ihnen was bestellen” gefordert. Irre. Leider Realität. Meinen bisherigen Höhepunkt stellte ein Einkauf am Sonntagmorgen dar. Ich wollte 3 Brötchen haben. Gegenfrage: Kaiser, Schrippen, Baguette oder sonst was. Ich wollte einfach nur 3 Brötchen haben, wie ich sie schon vor 20 Jahren in der Ostzone erstanden habe. Basta. Ich glaube deshalb sollte der Begriff Brötchen ortsüblich sein und auch jeder noch so Dumme sollte wissen, was er mir in die Tüte zu tun hat.  Ich bekam 3 Ciabatta in Brötchenform. Auf meinen Einwand, dass das wohl keine Brötchen sein können, wurde mir glaubhaft versichert: Passt Scho! Mach dir mal keine Sorgen Bursche, du bist nur noch etwas verschlafen. Ich war ausgeschlafen. Ich musste mich meiner Frau gegenüber offenbaren. Ich hatte versagt! Keine Brötchen!

Ein weiterer Höhepunkt und auch nicht schlecht: die sich als Chefin gerierende Dame mit Oberlippenbart. Wie ich die gefressen habe! Die Ignoranz in Person und zusätzlich noch eine ganz fiese Lästersau.

Weiter geht’s Richtung Westen, die Hauptstraße runter. Die dämlich quatschenden Mädels beim Eckfleischer Mahnke lässt man links liegen. Was würde ich mir wünschen, dass die mal das Maul halten! Die Brandenburger scheinen es zu mögen. Sie bekommen halt, was sie verdienen.

100 Meter weiter finden wir dann den Backshop der Firma Dahlback. So muss es sein! So halte ich es aus. Manchmal möchte man dem kleinen verhuschten Mädel zurufen, ich möchte nur Brötchen kaufen, keine Angst!

Schräg gegenüber liegt die “Backfactory”. Welch schrecklicher Name! Welch schreckliches Konzept! Welch schreckliche Ware! Wer da einkaufen geht, gehört eigentlich geohrfeigt. Aber, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, leider nehmen die Brandenburger das Konzept an und finden es toll, mal so richtig “mittig” mit einem Tablett und einer Zange wie ein Idiot zu versuchen, sich selbst zu bedienen. Wer’s braucht. Es sei.

Das Grauen wartet direkt gegenüber auf der anderen Seite der Straße. Ein Oldschool-Shop, welcher eigentlich jeden Morgen einen kleinen Notthing-Hill-Besuch darstellen könnte. Tut er aber nicht, weil: Hat ER noch? Möchte ER noch? Wird ER noch? Wer ist ER!!!? Der kleine Mann auf meiner Schulter, welcher gleich mit einer Handgranate den Schuppen hier in die Luft sprengt? Dabei habe ich doch gerade die Bestellung aufgegeben. Unglaublich diese gespielte Freundlichkeit, welche eigentlich auf den Punkt genau dokumentiert, mir ist alles scheißegal und du mir gegenüber erst recht! Boykott! Bitte! Alle!

Was bleibt hängen? Sollte ich wieder auf Knack und Back umsteigen? Laufe ich irgendwann Amok und wird dann später eine Doku über meine geistige Verwesung gedreht? Was sagt meine Frau dazu, wenn ich sonntags kapituliere und ihr unter Tränen gestehen muss: Ich kann nicht mehr. Ich traue mich da nicht mehr hin. HILFE!

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3 Kommentare bis jetzt↓

  • MartinaNo Gravatar

    Ich oute mich mal als Kundin der Bäckfäcktory. Ich mag den Laden, nicht weil ich mich dann wie mitten in Berlin fühle, sondern, weil die Produkte wirklich gut sind und günstig noch dazu. Wo gibts schon ein Kürbiskernbrötchen für 23 Cent? Und der Clou: An der Kasse ein nettes “Hallo… Drei Mark Fuffzich… Danke… Schönen Tag noch!” Ich werd nicht dusselig von der Seite angequatscht und kann mir meine Leckereien selber aussuchen und einpacken; das gefällt mir.

    Weißt du, an wen ich gerade denken muss? Michael Douglas – Falling Down. http://www.youtube.com/watch?v=54Q_nbw2Xvo Ganz groß! YEAH! Kleiner Tipp: Verlass mal die Champs-Élysées und versuchs mal bei dem Bäcker in der Steinstraße, kurz vorm Steinlädchen. Da gibts leckere Knüppel nach DDR-Rezept, mjam.

  • StephanNo Gravatar

    Falling Down! Ganz ganz GROßES Kino…

    Der Bäcker in der Steinstraße ist mir wohl bekannt, passte aber leider nicht in meine räumliche Skizze.

  • KreckiNo Gravatar

    Schön geschriebener Artikel, muss ich schon sagen. So habe ich die Hauptstr. noch nie betrachtet, aber ich geh auch gerne in die Backfactory, mir macht auch das Aussuchen Spaß.

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