Heute hat sich Alfredo Förster von Die Linke über eine Einladung der OB zu einem ökumenischen Gottesdienst vor der ersten SVV öffentlich beschwert (siehe hier).
Zuerst möchte ich sagen, dass ich die Einladung durch die OB ungeschickt finde. Besser wäre es gewiss gewesen, sie hätte einfach darauf hingewiesen, dass es einen Gottesdienst vor der SVV gibt. Ich finde diese Unterscheidung wichtig, weiß aber auch, dass dies für viele Haarspalterei sein dürfte.
Was ich aber nicht akzeptieren kann, ist Försters Riesengeschrei um die Sache. Bei ihm klingt es so, als habe die OB die Trennung zwischen Staat und Kirche aufgegeben. Wenn ich mir jedoch die von Förster kritisierte Mitteilung durchlese (hier), dann erkenne ich: nicht die OB oder die Stadt richten den Gottesdienst aus, sondern die Pfarrer der beiden Kirchen. Steht doch eindeutig so drin! Kein Stadtvertreter wird dort in Erscheinung treten.
Und wo Förster erst Recht irrt, ist der Vergleich mit dem Kruzifix-Urteil des BVerfG. Dort ging es um Kreuze, die in Räumen öffentlicher Schulen Bayerns hingen. Da für Kinder eine Schulpflicht besteht, waren die bayrischen Schüler dem Symbol christlicher Religionen ausgesetzt; die Schüler konnten sich dem nicht entziehen. Dies verletzte die Schüler in ihrer Religionsfreiheit. Beim Gottesdienst morgen liegt der Fall anders: Hier ist es sehr wohl möglich, sich dem zu entziehen. Man geht einfach nicht hin. Försters Vergleich wäre nur dann richtig, wenn die OB – was bereits technisch nicht ginge – alle SVV-Mitglieder verpflichtet hätte, den Gottesdienst zu besuchen.
Ähnliches gilt für Försters Vergleich mit den Kopftüchern von Lehrerinnen. Diesbezüglich ist zudem bemerkenswert, dass sich das BVerfG im Vorfeld seines Verbotes mit der Frage beschäftigte, ob das Tragen von Kopftüchern durch Lehrerinnen nicht deswegen legitim sei, weil Schulkinder durchaus differenzieren können, ob das Tuch individuelle Religionsausübung der Lehrerin oder Ausdruck eines staatlichen Bekenntnisses sei. Dies zeigt, dass bereits Schulkinder differenziert mit dem Thema Staat und Religion umgehen können. Und eigentlich denke ich: das kriegt Alfredo Förster auch hin.
Rhetorisch ist an Försters Äußerung eines beachtlich: Anfangs hält er sich noch an Tiemanns Wortlaut, gemäß dem sie alle einlade. Am Ende spricht er dann deutlich gesteigert von einem “Aufruf zur Teilnahme”. Da frage ich mich: Wenn er von Tiemann Zurückhaltung fordert, warum bleibt er dann selbst nicht sachlich, sondern dramatisiert?
So – und jetzt ist Schluß!
René
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Ich kann Deine Einschätzung nur teilen. Mich treibt allerdings ein anderer Gedanke um.
Ich bin mir ziemlich sicher, der Herr Förster sitzt hinter seinem Küchentisch und reibt sich die Hände. … haste gut gemacht Alfredo. Hat funktioniert wie die letzten 5 Jahre. … Ihm geht es um die pure Öffentlichkeit. Ihm ist dabei jedes rhetorische Mittel recht. Das Wahlergebnis hat sehr wohl gezeigt, dass seine Strategie aufgegangen ist. Die große Frage ist, ob er das noch mal 5 Jahre durchziehen kann. Die Kraft und den Spaß daran hat er, ohne Zweifel.
Ich glaube jedoch, dann wird es Ihm der Wähler nicht mehr danken. Das Protestwählerpotential ist dann sicher nicht mehr zu aktivieren. Gefühlt haben SPD und Linke jetzt mit Regierungsverantwortung in der Stadt. Wenn es der CDU gelingt, die soziale Verantwortung in der Stadt durch Frau Hübner (Linke) besser zu dokumentieren, geht da strategisch ne Menge in Gegenrichtung Förster. Wie gesagt, der Wähler wollte mehr SPD und insbesondere mehr Linke und sitzt nun auch am besagten Küchentisch und wartet die nächsten 5 Jahre ab. Gefährlich gefährlich, was der Herr Förster da treibt. In jeder Hinsicht.
Denn:
Mir ist zumindest bekannt, dass einige bei den Linken ziemlich angewidert sein sollen vom Verhalten bzw. Gebaren des Herrn Förster. Weiterhin kann ich mir dauerhaft nicht vorstellen, dass intelligente sowie menschlich anständige Typen bei den Linken, mir fallen da spontan Dr. Maiwald, Frau Zimmermann, Herr Osterburg oder auch der noch junge Herr Kretschmar ein, dieses Treiben stumm ertragen werden.